Zitat des Monats Juni

„Was passiert, wenn ich heute oder morgen in einer Diktatur aufwache? Was passiert dann mit den Menschen, mit mir? Und das sollte jedem bewusst sein, dass man das niemandem gönnt. Das darf nie wieder passieren. Diktatur ist immer menschenfeindlich – immer!“

Christian Bürger (im Zuchthaus Cottbus von 1986 bis 1987 inhaftiert)

Weitere Zitate

Zeitzeugen

zeitzeugen 01Widerständiges Verhalten von DDR-Bürgern und repressive Reaktionen des Staates nehmen im Geschichtsunterricht in der Regel nur einen kleinen Anteil in der Vermittlung der deutschen Nachkriegsgeschichte ein. Durch die Zeitzeugenarbeit wird die Geschichte einiger Personen besonders beleuchtet und trägt vor allem zur Auseinandersetzung mit Opposition, Repression, staatlicher Gewalt und individuellem Erleben als wichtigen Elementen demokratischer Erziehung bei.

Der biografische Ansatz wird durch Ausschnitte aus verschiedenen Zeitzeugenberichten (Video-/ Audioaufnahmen, Texte) deutlich und durch Dokumente, Akten, Fotos, Gegenstände und andere Materialien ergänzt. Es werden Beispiele aufgezeigt für Ausgeliefertsein, Ohnmacht und Repression, für Aufbegehren und Zivilcourage, aber auch für Anpassung und Nischendasein, für Ausharren und Bleiben, nicht zuletzt für Handlungsspielräume und aktives Engagement.

Im Gespräch mit Zeitzeugen aus unterschiedlichen Haftperioden erfahren die Schüler vom Leben in der DDR und von den verschiedenen Formen politischer Verfolgung. Die ehemaligen politischen Häftlinge berichten über widerständiges Verhalten als Jugendlicher und diskutieren über Zivilcourage, Menschenrechte und demokratische Werte.

Die Zeitzeugen können in ein Projekt vor Ort eingebunden werden oder kommen direkt zu einem Gespräch in die Schule. Neben dem Zeitzeugengespräch mit ganzen Gruppen können einzelne Schüler Interviews mit den Zeitzeugen drehen und lernen, wie man dies vorbereitet, durchführt und nachbereitet.

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Die Behandlung dieses Schwerpunktes ermöglicht einen Einstieg in die deutsche National- und Zeitgeschichte, die die Gegenwart der Lernenden mitprägen. Die Schüler begegnen konkreten Menschen und ihren Geschichten, lernen dabei deren Mentalitäten, Normen, Werte kennen, erhalten Einblicke in ihre Erfahrungen, Gedanken, Motive und Handlungen, setzen sich aber auch mit ihren Ängsten, Misserfolgen und Brüchen auseinander. Durch diesen anschaulichen Zugang wird für die Schüler das nicht durch eigene Erfahrung zugängliche Thema verständlich gemacht. Es bekommt ein Gesicht und eine Persönlichkeit. Die Schüler sollen zu eigenen Stellungnahmen, zum Vergleich mit individuellen Erfahrungen und einer Persönlichkeit sowie ande­ren Erzählungen, zum Gegenwartsbezug und zur Urteilsbildung angeregt werden.

In Vorbereitung auf die Arbeit stehen Biographien der jeweiligen Zeitzeugen zur Verfügung.