Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Der Cottbuser „Tigerkäfig“ und seine Geschichte(n)

Ausstellungseröffnung am Dienstag, 21. August 2018 18:30 Uhr - 20:30 Uhr

Nach mehrmonatigen Bauarbeiten wird am 21. August, 18:30 Uhr eine authentisch rekonstruierte „Tigerkäfigzelle“ in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Bautzener Straße 140) eröffnet.

Die Inhaftierung in einem „Tigerkäfig“ gehörte zu den Disziplinarmaßnahmen im Cottbuser Strafvollzug. Die Unterbringung erfolgte ursprünglich im Arrestbereich in den Kellern der Hafthäuser. Die von den Häftlingen so bezeichneten „Tigerkäfige“ waren 4,40 m lang, 2,10 m breit und 2,40 m hoch. Für diese Absonderung standen im Keller des Hafthauses II fünf Zellen bereit. Ungefähr einen Meter hinter der Zellentür befand sich noch ein Gitter mit einer Gittertür. Daran waren zwei Blechplatten als Tisch und Sitzmöglichkeit befestigt. Der stets am Abend zu leerende Kübel für die Notdurft befand sich innerhalb des „Tigerkäfigs“. Zur Nacht schraubten die Wärter das Klappbett, bestückt mit einer Matratze und drei Decken samt Bettwäsche, von der Wand ab. Morgens wurde das Bett in der Regel wieder hochgeklappt. Die Häftlinge litten unter Kälte und Feuchtigkeit, weil die von außen beheizbaren Öfen selten sachgerecht genutzt wurden. Selbst im Sommer war es kalt und feucht! Ende der 1970er Jahre wurden die Tigerkäfige aus dem Keller des Hafthauses II in die 1. und 2. Etage des so genannten C-Flügels verlegt.

Eine Isolation im „Tigerkäfig“ konnte von einer Woche bis hin zu mehreren Monaten oder weit über ein Jahr dauern. Zur Eröffnung des „Tigerkäfigs“ am 21. August werden drei ehemalige Häftlinge zu Gast sein, die bei einer Open-Air-Diskussion vor dem Hafthaus II aus ihren Erlebnissen in diesen Zellen erzählen werden. Siegmar Faust war Mitte der 1970er Jahre 401 Tage seines Lebens im „Tigerkäfig“, weil er vom Strafvollzugspersonal vorerst unbemerkt die handgeschriebene Zeitung „Armes Deutschland“ schrieb und in Umlauf unter den Häftlingen brachte. Der Arzt Dr. Wulf Rothenbächer kam 1971 wegen Sabotageaktionen als „Besserungsunwilliger“ für 70 Tage in den “Tigerkäfig“. Nach der Schließung wurde der Kellerbereich als Werkzeug- und Materiallager genutzt. Manfred Gebhardt musste 1981 – 1982 als gelernter Schlosser etwa neun Monate täglich acht Stunden alleine in den Kellerräumen arbeiten.

Im Rahmen der Schließung des Gefängnisses an der Bautzener Straße im Jahr 2002 konnten andere Gedenkstätten Gegenstände vor Zerstörung und Diebstahl retten. Einer der „Tigerkäfige“ kam dankenswerterweise in den Besitz der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Nach Vermittlungen von ehemaligen Häftlingen ist jetzt der „Tigerkäfig“ als Dauerleihgabe der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus übergeben worden. Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums Cottbus haben ihn in mühevoller Arbeit und aus Spenden finanziert in den letzten Monaten an seiner ursprünglichen Stelle eingebaut. Da sich das Gebäude weiterhin in einem ruinösen Zustand befindet, ist der Besuch des Kellers nur im Rahmen von Führungen möglich. Am Tag der Eröffnung ist die Besichtigung für die Öffentlichkeit frei.

Besucher sind herzlich eingeladen!

Info

Ort
Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Bautzener Straße 140
03050 Cottbus