Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

Weitere Zitate

Alleinstellungsmerkmale mit Bezug auf die gegenwärtige Nutzung

Ehemalige politische Häftlinge sind Eigentümer und Gestalter

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist die einzige Gedenkstätte, die das Repressionssystem der DDR thematisiert, deren Opfer gedenkt und die nach der Friedlichen Revolution Eigentum von ehemaligen politischen Gefangenen geworden ist. Diese bilden in allen Gremien des Trägervereins die Mehrheit und sind aktiv in die politische Bildungsarbeit und die Entwicklung und Gestaltung der Gedenkstätte eingebunden. Ihre „Handschrift“ ist überall zu lesen, zu sehen und zu hören.

Der Trägerverein Menschenrechtszentrum Cottbus fühlt sich verpflichtet, angesichts der eigenen Erfahrungen während der SED-Diktatur die Besucher der Gedenkstätte auf heutige Menschenrechtsverletzungen in anderen Teilen der Welt aufmerksam zu machen, darüber zu informieren und diese zu sensibilisieren. Die Mitglieder des Trägervereins wirken nicht nur als politische Bildner, sie setzen sich darüber hinaus weltweit solidarisch für politisch Verfolgte ein. Dies spiegelt sich wieder in Ausstellungen, Petitionen, symbolischen Aktionen sowie den Themen der politischen Bildungsarbeit, die immer wieder das begangene Unrecht auf deutschem Boden in der Vergangenheit des 20. Jahrhunderts in Bezug zur aktuellen Menschenrechtslage insbesondere in heutigen Diktaturen setzt.

Kunst und Kultur bilden den Schwerpunkt der Gedenkstättenarbeit

gedenkstaette 02Während der SED-Diktatur verbüßten vergleichsweise viele Akademiker und Künstler ihre Haftzeit im Zuchthaus Cottbus. Einige ehemalige politische Häftlinge, die entweder bereits als Künstler aus politischen Gründen verurteilt worden waren oder die später nach der Haftentlassung künstlerische Tätigkeiten begannen, sind im Menschenrechtszentrum engagiert. Aus diesem Grund sind Kunst und Kultur ein Medium und eine Methodik für die Gedenkstättenarbeit. In der gesamten Gedenkstätte sind Kunstwerke von einstigen Häftlingen zu betrachten. Sie bringen sich aktiv mit ihren Fähigkeiten und ihrer Biografie in der Bildungsarbeit der Gedenkstätte ein. Darüber hinaus ist es angestrebt, ein Gebäude auf dem Gelände – die frühere Ambulanz – nach einer Sanierung zu einem Kunsthaus auszubauen. Dieses Gebäude soll die Heimstätte für Werke von Künstlern in Gefangenschaft und Gefangenen, die zu Künstlern wurden, werden. Darüber hinaus solle es die Möglichkeit zu künstlerischer Arbeit im Rahmen der politischen Bildungsarbeit für Kunstschaffende und Interessierte bieten.

Die erfolgreiche Kooperation mit dem Staatstheater Cottbus im Sommer 2014 und die siebenmalige Aufführung der Beethovenoper Fidelio vor 8.000 Besuchern auf dem Hof der Gedenkstätte zeigen, dass die Verbindung von Kultur mit der Geschichte des Ortes eine besondere Chance ist, mit künstlerischen Mitteln die Gefühle der Menschen zu erreichen. Aus diesem Grund ist angestrebt, dass die ehemalige Pentacon-Halle, in der Häftlinge unter unwürdigen Arbeitsbedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten, zu einer Kulturhalle ausgebaut wird. Trotz des ruinösen Zustandes haben darin bisher mehrfach Musikkonzerte, u.a. von Wolf Biermann, aber auch Theateraufführungen stattgefunden. Eine Kulturhalle dieser Größe, für ca. 350 Besucher, fehlt in der Stadt Cottbus und darüber hinaus in der Region. Die Kulturhalle soll offen für Nutzungen anderer Träger der Stadt und des Umlandes sein.

Um den historischen Bezug zur Geschichte des Ortes für auswärtige Besucher wahrnehmbar werden zu lassen, soll in dieser Halle eine neu zu erstellende Sonderausstellung zum Thema Zwangsarbeit im DDR-Strafvollzug präsentiert werden.

 

gedenkstaette 03

 

Kreative, innovative und erlebnisorientierte Bildungsarbeit

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus arbeitet mit kreativen, innovativen und erlebnisorientierten Methoden. Dies spiegelt sich in der täglichen Bildungsarbeit wieder. Besonders hervorgehoben werden müssen das ehrenamtliche Engagement von Bürgern und die Einbindung der Jugend über die Arbeit vor Ort.

Seit Jahren waren mehrmals Gruppen von jungen Menschen in der Gedenkstätte und halfen ehrenamtlich mit körperlichem Einsatz bei der Sanierung. Darunter sind vielfach Schulklassen, kirchliche Gruppen, Pfadfinder, Studenten aus dem In- und Ausland, die in der Regel über den Internationalen Bauorden aus Ludwigshafen vermittelt werden.

Es besteht seit 2010 eine enge Kooperation mit der Fakultät Architektur der Universität in Cottbus. Ein paar Hundert Studenten erforschen, zeichnen oder vermessen jährlich das Gefängnis, was ihrem Studium aber auch dem MRZ zugutekommt. Alle diese Gruppen setzten sich unter Einbeziehung von Zeitzeugen dabei intensiv mit der Geschichte dieses Ortes auseinander.