Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Alleinstellungsmerkmale mit Bezug auf vergangene Nutzungen

Insbesondere während der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur waren in Cottbus Tausende politische Gefangene inhaftiert. Das Zuchthaus Cottbus und das dort begangene Unrecht gerieten allerdings nach der friedlichen Revolution weitgehend in Vergessenheit. Damit wurde der nationale Stellenwert des Cottbuser Zentralgefängnisses für die Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts und die Geschichte des NS- und DDR-Strafvollzugs nach 1990 zunächst kaum erkannt. Das Cottbuser Zentralgefängnis hatte von 1933 bis 1989 immer auch überregionale Bedeutung.

Während der NS-Terrorherrschaft fungierte es zunächst als einziges Jugendgefängnis bzw. später Frauenzuchthaus im Kammergerichtsbezirk Berlin, als Haftort für deutsche und ausländische Widerstandskämpferinnen und als Ausgangspunkt für Deportationen in Konzentrationslager. Bedingt durch die Kriegswirren saßen hier sogar neun Frauen der Widerstandsgruppe Weiße Rose Hamburg ein. Dies wurde in der DDR verschwiegen und ist bis zum heutigen Tag weitgehend unbekannt. Mit der letzten überlebenden Zeitzeugin Traute Lafrenz (geb. 1919), die in den USA lebt, steht die Gedenkstätte in Kontakt.

In der DDR zählte das Cottbuser Gefängnis zu den bedeutendsten Haftanstalten für politische Gefangene und diente vor allem ab Mitte der 60er Jahre als Schwerpunktgefängnis für Republikflüchtlinge aus der ganzen DDR. Folglich spielte es eine wesentliche Rolle beim Freikauf politischer Häftlinge und kann zu Recht als das „Devisenbringergefängnis“ der DDR schlechthin bezeichnet werden. Besonders in den letzten beiden Jahrzehnten vor dem Zusammenbruch des Systems betrug der Anteil der politischen Häftlinge ca. 80 Prozent. Kriminelle bildeten stets eine Minderheit unter den Gefangenen.