Zitat des Monats September 2017

"Jede Würde des Menschen war einfach weg."

(Rainer Dellmuth, im Zuchthaus Cottbus 1972 inhaftiert)

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Haftort Cottbus

Der Gefängnisbau wurde in den Jahren 1855 – 1859 unter der Führung der preußischen Justizverwaltung errichtet. Als Standort bot sich ein damals weitgehend unbebautes Gebiet im Süden von Cottbus zwischen Bellevuestraße (heute Bautzener Straße) und Gartenstraße an. Die offizielle Eröffnung des „Königlichen Centralgefängnisses Cottbus“ erfolgte am 1. April 1860.

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Zunächst bestand die Haftanstalt aus dem Hauptgebäude, dem Weiberhaus, einem Lazarettgebäude, einem Wirtschaftsgebäude und dem Torhaus. Es konnte 200 männliche und 50 weibliche Gefangene aufnehmen. Auch Todesurteile gegen Mörder wurden auf dem Hof des „Centralgefängnisses“ vollstreckt.


Häftlinge aus dem Cottbuser Gefängnis kamen im 19. Jahrhundert auch bei der Gestaltung des Branitzer Parks zum Einsatz. Verträge zwischen Fürst Hermann von Pückler-Muskau und den Inspektoren des Gefängnisses legten die Anzahl der Häftlinge zuzüglich Wachpersonals und deren Bezahlung fest.

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In den 1930er Jahren nutzte man das Gebäude als Jugend-, Männer- und Frauengefängnis. In der Zeit von 1939 bis 1945 diente es ausschließlich als Frauenzuchthaus. Viele Insassinnen waren wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Cottbus inhaftiert, darunter sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene, Zeugen Jehovas und sogar Frauen der Weißen Rose Hamburg. Zwischen Februar und April 1945 zerstörten Bombenangriffe zahlreiche Gebäude der Haftanstalt. Viele Häftlinge starben dabei oder flüchteten. Im April 1945 musste das Zuchthaus vollständig geräumt werden.

 

In der Nachkriegszeit unterstand das Gefängnis wenige Wochen der Stadt Cottbus, bis Ende 1950 der Brandenburger Justizverwaltung und kam anschließend unter die Verantwortung des DDR-Innenministeriums. Offiziell hieß das Zuchthaus ab 1950 „Vollzugsanstalt Cottbus“ und wurde nunmehr ausschließlich als Männergefängnis genutzt. Ab 1975 wurde es in „Strafvollzugseinrichtung“ (StVE) umbenannt. Die Häftlinge sprachen jedoch durchgehend vom „Zuchthaus Cottbus“. Hier waren bis 1989 Tausende aus politischen Gründen Verurteilte inhaftiert, darunter viele der später durch die Bundesrepublik Deutschland freigekauften politischen Gefangenen.