Zitat des Monats Juni

„Was passiert, wenn ich heute oder morgen in einer Diktatur aufwache? Was passiert dann mit den Menschen, mit mir? Und das sollte jedem bewusst sein, dass man das niemandem gönnt. Das darf nie wieder passieren. Diktatur ist immer menschenfeindlich – immer!“

Christian Bürger (im Zuchthaus Cottbus von 1986 bis 1987 inhaftiert)

Weitere Zitate

Projekte

Denkmal „1 Ziegel für 1 Maueropfer“

projekte 01Am 13. August 2011 – dem 50. Jahrestag des Mauerbaus – startete das Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. die Aktion „1 Ziegel für 1 Maueropfer“. Tausende Bürger der DDR versuchten nach dem Mauerbau zu Land, zu Luft und zu Wasser in die Freiheit zu gelangen. Vielen gelang die Flucht, andere scheiterten und mussten mehrere Jahre ihres Lebens in den Gefängnissen der DDR verbringen. Weit über tausend Fluchtwillige mussten jedoch ihr Leben an der Berliner Mauer, der innerdeutschen Grenze, in der Ostsee oder an den Grenzen anderer osteuropäischer Länder lassen. Dieser Menschen möchte das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. gedenken.

 

Auf jeweils einem Ziegel wurde der Name eines Todesopfers eingebrannt. Mit dem „Kauf“ eines Ziegels im Wert von 20,00 € pro Ziegel haben Hunderte Bürger diese Aktion unterstützt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Künstler Gino Kuhn im Gelände der „Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus“ ein neues Kunstwerk geschaffen. Gino Kuhn musste Mitte der 1970er Jahre als westdeutscher Fluchthelfer wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ 20.000 Stunden (knapp 2,5 Jahre) die Gefängnisse der DDR kennen lernen. Die Gedenkstätte in Cottbus ist der richtige Ort für diese Aktion. Denn im Zuchthaus Cottbus waren vorwiegend Republikflüchtlinge inhaftiert, die das Glück hatten, an der innerdeutschen Grenze nicht erschossen zu werden.

Zurzeit werden die Namen der Opfer an der innerdeutschen Grenze erforscht. Sobald diese Ergebnisse vorliegen, wird das Denkmal fortgesetzt.

Gedenkstein „Den unschuldigen Opfern politischer Verfolgung 1933 – 1945, 1945 – 1989“

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Verfolgte der 1950er Jahre, wie Alfred Ullmann von Ortsgruppe Cottbus der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V (VOS) stellten 1998 vor dem Zuchthaus Cottbus einen Gedenkstein auf und pflegten ihn.

Die Erinnerung an das Unrecht, das den Häftlingen an diesem Ort angetan worden war, sollte nicht abreißen. Am 10. Dezember 2010, dem Internationalen Tag der Menschenrechte schenkte die VOS den Gedenkstein dem Menschenrechtszentrum Cottbus. Dieser hat nun seit der Sanierung der Gedenkstätte seinen Platz im Hof der Gedenkstätte gefunden.

Festakt des Landes Brandenburg am 07. November 2014 in der Oberkirche St. Nikolai und auf dem Gelände der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Mit einer Vielfalt an Angeboten beging das Menschenrechtszentrum Cottbus den 25. Jahrestag des Mauerfalls am verlängerten Wochenende vom 06. – 09. November 2014. Höhepunkt jedoch der vielfältigen Angebote war der zentrale Festakt des Landes Brandenburg auf dem Gelände des Menschenrechtszentrums.

Das Menschenrechtszentrum Cottbus ist der rot-roten Landesregierung und dem Brandenburgischen Landtag sehr dankbar, dass dieser besondere Jahrestag in diesem symbolischen Ort – einem der bedeutendsten politischen Gefängnisse der DDR – begangen wurde. Wer hätte dies vier Jahre zuvor gedacht, als der Verein das waghalsige Unterfangen des Kaufs und der Sanierung des ehemaligen Gefängnisses startete, oder auch 26 Jahre zuvor, als die Häftlinge in der Pentacon-Halle unter menschenunwürdigen Bedingungen und unter Zwang arbeiten mussten, dass dieser Festakt hier begangen würde?

Der Festakt begann um 14:00 Uhr in der Oberkirche St. Nikolai und wurde ab 16:00 Uhr im Menschenrechtszentrum fortgesetzt. Im Anschluss an die Einführung durch den Ministerpräsidenten und eine Filmvorführung zum HERBST 1989 in Cottbus fand ein dezentrales Programm an verschiedenen Orten der Gedenkstätte statt. Zeitzeugen, Schüler und andere Akteure riefen in Gesprächen, durch Musik, Tanz oder bei Lesungen das begangene Unrecht während der SED-Diktatur und die Umbruchzeit des Herbstes 1989 in Erinnerung. Beide Teile des Festaktes in der Oberkirche und im Menschenrechtszentrum wurden von mehreren Hundert interessierten Bürgern besucht.

Die Aufführung der Freiheitsoper Fidelio in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Anlässlich mehrerer Jahrestage im Jahr 2014 fand in Kooperation mit dem Staatstheater Cottbus vom 28. Juni – 12. Juli 2014 die siebenmalige Aufführung der Freiheitsoper Fidelio von Ludwig van Beethoven im Hof der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus statt. Alle sieben Vorstellungen waren nahezu ausgebucht, denn fast 8.000 Besucher aus der ganzen Bundesrepublik sowie aus Australien, Großbritannien, Griechenland, Norwegen und Dänemark besuchten diese außergewöhnliche Inszenierung.

Hunderte von ehemaligen Häftlingen kamen eigens für ‚Fidelio‘ zurück nach Cottbus. Für alle war es eine wahre innere Befreiung und ein hochemotionaler sowie würdiger Abschluss ihrer Haftzeit. Für den Intendanten und Regisseur des Staatstheaters Cottbus, Martin Schüler, war es eine Herausforderung, sich dem Ort mit Demut und Respekt zu nähern, Spielvorgänge glaubhaft werden zu lassen und sich der Geschichte dieses Gefängnisses zu stellen. Seine Erwartungen wurden übererfüllt. Kunst sollte auf Wirklichkeit treffen, und nun hörte man von den Besuchern, dass dies besonders gelungen sei.

Die Handlung
Beethovens Oper Fidelio erzählt von einer Liebe, die alles überwindet, von der Sehnsucht nach Freiheit und von der Hoffnung, dass die Gerechtigkeit triumphiert. Florestan weiß um die Machenschaften des Gouverneurs Pizarro und steht kurz davor, den Minister darüber zu informieren. Daraufhin lässt Pizarro Florestan widerrechtlich festnehmen. Nach langer Suche findet Leonore das Staatsgefängnis, in dem ihr Mann Florestan festgehalten wird. Als der Minister von Florestans Haft hört, will er das Gefängnis inspizieren. Pizarro erfährt davon und befiehlt Florestans Ermordung. Leonore wirft sich dazwischen. Da verkündet ein Trompetensignal die Ankunft des Ministers. Der Gefangene ist frei.

Fidelio im Zuchthaus Cottbus
Fidelio gilt als die Freiheitsoper schlechthin. Die Handlung zeugt von Zivilcourage unter ausgesprochen schwierigen Bedingungen. Sie vermittelt die Hoffnung, dass Humanität realisiert werden kann, selbst in schier auswegloser Lage. So war diese Oper prädestiniert für eine Aufführung an einem Ort, an dem Menschen zu Unrecht inhaftiert und der Willkür ausgeliefert waren.

Das Menschenrechtszentrum Cottbus verband die Oper Fidelio mit der aktuellen Menschenrechtslage auf Kuba.  Mit einer Solidaritätsaktion wurde der bekanntesten Bürgerrechtsbewegung auf Kuba, den „Damen in Weiß“ geholfen. Die „Damen in Weiß“, d.h. die Ehefrauen, Schwestern und Mütter politischer Gefangener, setzen sich immer in weiß gekleidet friedlich für die Freilassung aller politischen Gefangenen auf Kuba ein. Martin Schüler griff die Farbe Weiß bewusst für die Inszenierung auf. Zwei Vertreterinnen der „Damen in Weiß“ waren zur Premiere von Fidelio in Cottbus. Darüber hinaus war für acht ehemalige politische Häftlinge des Zuchthauses Cottbus diese Inszenierung ein besonderes Erlebnis. Sie haben beim berühmten Gefangenenchor mitgesungen.

Fidelio wurde von der Kulturstiftung des Bundes und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gefördert.