Zitat des Monats Mai

„Ich weiß nicht, wie lange wir fuhren. Der Zug hielt an einem Bahnhof. Dort wurden wir ausgeladen – gefesselt waren wir schon. Synchron sprangen wir ins Freie. Und wieder die Uniformierten mit Karabinern. Wieder die Hunde. Und wieder die neugierigen Blicke wie in Brandenburg. Ich entdeckte das Schild ‹Cottbus›.“

(Dieter Drewitz, im Zuchthaus Cottbus 1967 inhaftiert)

Weitere Zitate

Auch 27 Jahre nach dem Ende der DDR lassen sich auf dem Gelände des ehemaligen Zuchthauses immer noch kleine Schätze finden. So erspähten Gedenkstättenmitarbeiter am 6. April 2017 hinter einer Heizung diesen selbstgebastelten Tauchsieder. Wahrscheinlich hat ihn einer der Häftlinge damals hier versteckt.


Viele Gefangene fertigten heimlich kleine Alltagsgegenstände wie Tauchsieder zur Wassererwärmung, Pfeifenbesteck oder Schachfiguren an, um sich die Zeit zu vertreiben und sich den Alltag in der Haft etwas erträglicher zu gestalten. Während einige Wachmänner solche Aktivitäten tolerierten, nahmen sie andere Mitarbeiter als Anlass für harte Bestrafungen und Arrestanordnungen.

Objekte des Monats

2017

2016

„Einschätzung“

In einem Dokument der Haft- und Vollzugsakte wird von einem Oberleutnant des Strafvollzugs der DDR eine „Einschätzung“ zu Martin Klopf gegeben.

Es wird deutlich, wie die Strafvollzugsangehörigen ihren Erziehungsauftrag verstanden und woran mögliche Erziehungserfolge gemessen wurden.

Vollzugsakte Martin Klopf

Quelle: Vollzugsakte Martin Klopf, Einschätzung vom 26.07.1989

Nur für den Dienstgebrauch!

Handbuch für operative Dienste

Im Lehrbuch „Operative Dienste“ wurden Aufgaben und grundsätzliche Regeln für die Arbeit von Bediensteten im DDR-Strafvollzug definiert. Insbesondere wurde auf den Umgang mit Häftlingen und auf die Sicherheit und Erziehung im Strafvollzug eingegangen.

Unter anderem wurde die Anwendung von Führungsketten, Hand- und Fußfesseln sowie Horch – und Sichtkontrollen, aber auch die Anwendung des Schlagstocks beschrieben.


Foto: Ralf Marten

Weitere Fundstücke in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Bei Aufräumungsarbeiten in der Werkhalle des ehemaligen Arbeitseinsatzbetriebes (AEB) VEB Sprela Werke Spremberg wurden nach mehr als 25 Jahren im Juni 2016 verschiedene Kleinteile im Mauerwerk gefunden. Die Häftlinge des Zuchthauses Cottbus mussten u.a. diese Teile, die als Stangenmaterial angeliefert wurden, auf Länge zusägen und auf Drehbänken nach Vorgabe innen und außen bearbeiten.

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus arbeitet aktuell zum Thema (Haft-) Zwangsarbeit im Strafvollzug Cottbus und hat einen Zeitzeugenaufruf gestartet. Eine Klärung der Fragen, unter welchen Bedingungen politische Häftlinge im Strafvollzug Cottbus Zwangsarbeit ausgesetzt waren, leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte und schafft Voraussetzungen für eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wir bitten alle ehemaligen politischen Häftlinge, aber auch ehemalige Zivilmeister der Arbeitseinsatzbetriebe (AEB) und Bedienstete der StVE Cottbus sich bei der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zu melden. weiterlesen


Foto: Ralf Marten

Fundstücke in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus - Kamerarohlinge von VEB Pentacon Dresden

Bei Aufräumungsarbeiten in einer der Werkhallen des ehemaligen Arbeitseinsatzbetriebes (AEB) VEB Pentacon Dresden wurden im Dezember 2013 verschiedene Kamerarohlinge und Kleinteile gefunden. Politische Häftlinge des Zuchthauses Cottbus haben (Haft-) Zwangsarbeit geleistet und mussten u.a. diese Rohlinge stanzen, entgraten und bohren.

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus arbeitet aktuell zum Thema (Haft-) Zwangsarbeit im Strafvollzug Cottbus und hat einen Zeitzeugenaufruf gestartet. Eine Klärung der Fragen, unter welchen Bedingungen politische Häftlinge im Strafvollzug Cottbus Zwangsarbeit ausgesetzt waren, leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte und schafft Voraussetzungen für eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wir bitten alle ehemaligen politischen Häftlinge, aber auch ehemalige Zivilmeister von VEB Pentacon Dresden und Bedienstete der StVE Cottbus, sich bei der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zu melden.

Ralf Marten

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Tel: 0355-290133-20

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Foto: Ralf Marten

"Ein Schachspiel und seine Weltreise"

"Sieben Monate Untersuchungshaft im Stasi-Gefängnis Bautzenerstraße in Dresden, davon vier Monate Einzelhaft in einer Kellerzelle, wo ich das Schachspiel aus Brot und Speichel baute, die weißen Figuren mit etwas Zahnpasta und das Schachbrett aus dem Silberpapier einer Zigarettenschachtel.

Viele Wochen habe ich mit einem Mithäftling, den Namen habe ich vergessen, der in einer Zelle über mir saß, Schach gespielt, wobei die Spiele oft über Tage – verzögert durch zeitraubende Klopfverständigung, Verhörunterbrechungen, Zellenrevisionen usw. dauerten. Mit viel Mühe und zahlreichen Tricks hat mich das Spiel nach Cottbus, Chemnitz, Stuttgart, Heidenheim, Paris, Latina (Italien), Canterbury und zuletzt nach Kreta begleitet, um wieder zurück nach Cottbus zu kommen, wo es die meiste Zeit in Gebrauch war!" Das Schachspiel befindet sich als neues Objekt in der Dauerausstellung "Karierte Wolken".

Bernhard Krenkel
1968 – 1969 in Cottbus inhaftiert

Das Schachspiel befindet sich als neues Objekt in der Dauerausstellung "Karierte Wolken".

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Brief aus dem Zuchthaus Cottbus 

Die Kontaktmöglichkeiten der Häftlinge zu Verwandten und Freunden war im Strafvollzug der DDR streng reglementiert. Briefkontakte waren nur zu Personen möglich, die bei Beginn der Einlieferung in Cottbus festgelegt werden mussten. Die „Erzieher“ zensierten die Post der Gefangenen.

Gilbert Furian, wegen ungesetzlicher Verbindungsaufnahme und öffentlicher Herabwürdigung (§§ 219, 220) zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, schrieb im Januar 1986 einen Brief aus dem Zuchthaus Cottbus, in dem er die besonderen Vokabeln der Häftlinge beschreibt. Erstaunlich, dass dieser Brief durch die Zensur der „Erzieher“ nicht einbehalten wurde.

4. Brief Januar 1986

Foto des Zuchthauses Cottbus aus den 1980er Jahren


„Diese Aufnahme der StVE Cottbus fotografierte ich heimlich im März 1984, ein Jahr nach meiner Haftentlassung mit einem 200mm-Teleobjektiv auf einer Pentacon-Praktika. Durch die noch dürren Zweige im Vorfrühling hatte ich gute Sicht.
Für die Frühjahrsmesse 1984 reiste ich trotz Einreiseverbotes mit einem Messevisum eines Modehauses meiner Freundin im grünen Käferauto nach Leipzig und von dort unerlaubt mit dem Zug nach Cottbus zum Gefängnis. Aus dem Treppenhaus der Wohnanlage gegenüber des Gefängnisses nahm ich diese Bilder auf. Meinem Mithäftling Peter Kornexl schenkte ich den Abzug als Erinnerung an die harte Zeit, als ich unbehelligt zurück in Wiesbaden war.“

 

Objekt des Monats Mrz 2016

Foto: Cottbuser Häftlingsgemeinschaft, Roland B., März 1984

 

 

Objekt des Monats Februar 2016

 Ordner mit Fragebögen ehemaliger politischer Häftlinge

Unmittelbar nach dem Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland füllten einige ehemalige politische Häftlinge Fragebögen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) aus, die Informationen zur Untersuchungshaft, dem Gerichtsverfahren und dem Haftalltag im DDR-Strafvollzug geben. Die Fragebögen stellen eine besonders wichtige Quelle dar, da sie kurz nach der Freilassung ausgefüllt wurden.


Der Ordner mit den Fragebögen politischer Häftlinge, die das Zuchthaus Cottbus betreffen, wurde der Gedenkstätte durch die IGFM im Jahr 2015 übergeben.

Quelle: IGFM

Ein Kassiber im Brillenetui

„Über die Möglichkeit von der Bundesrepublik Deutschland aus dem Zuchthaus freigekauft zu werden, erfuhr ich von einem Mithäftling. Da dieser staatlich organisierte Menschenhandel in aller Heimlichkeit stattfand, war es schwierig, entsprechende Informationen nach "draußen" zu bringen, um über die Rechtsanwälte Stange (West) und Vogel (Ost) den Freikauf in die Wege zu leiten.

Alle notwendigen Informationen schrieb ich deshalb auf zwei Blatt Zigarettenpapier, die ich, eng zusammengewickelt und mit Silberpapier (aus einer Zigarettenschachtel) geschützt, zwischen Oberlippe und oberen Schneidezähnen versteckt zu einem "Sprecher" mit meiner Mutter mitnahm. Diese Vorsichtsmaßnahme war notwendig, da vor dem "Sprecher" die Anstaltskleidung gegen eine Besucherkleidung (alte Militärklamotten mit zugenähten Taschen) unter Aufsicht gewechselt wurde, wobei alle Körperöffnungen kontrolliert wurden, um Kassiberübergaben zu verhindern. Beim Gespräch mit meiner Mutter gelang es mir dann, unter den Augen des Wärters, der mit am Tisch saß, die kleine Kassiberrolle in das Brillenetui meiner Mutter zu schummeln.“

Bernhard Krenkel (1968 – 1969 in Cottbus inhaftiert)

Der Kassiber wird seit dem 10. Dezember 2015 in der Ausstellung „Karierte Wolken“ präsentiert.

2015

„Resolution aller SG der StVE Cottbus“, 04. Dezember 1989

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Während im Herbst 1989 Tausende Bürger in der DDR demonstrierten und am 09. November 1989 die Berliner Mauer fiel, regte sich auch in den Haftanstalten der DDR massiver Protest. In der Strafvollzugseinrichtung Cottbus bildete sich Anfang Dezember 1989 ein Gefangenenrat. Fünf Häftlinge formulierten eine Resolution, die sie an die Regierung der DDR und die Volkskammer richteten. Zu den Forderungen zählten u.a. die Abschaffung aller Paragrafen des politischen Strafrechtes der DDR, die vollständige Realisierung der Amnestie vom 28.10.1989 (Entlassung aller politischen Häftlinge) und eine menschenwürdige Unterbringung und Behandlung der Strafgefangenen.


Die Originalabschrift der Resolution vom Dezember 1989 wurde von Martin Rohde, einem ehemaligen politischen Häftling, der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus im Dezember 2013 übergeben.

Quelle: Martin Rohde (inhaftiert im Zuchthaus Cottbus Oktober 1989 bis Dezember 1989)