Zitat des Monats Juli

"Im Gelände des Zuchthauses war eine Filterproduktion für Giftmasken eingerichtet worden. Ein kriegswichtiges Unternehmen mit Fließbandfertigung! [...] Die an den Maschinen arbeitenden Frauen standen vor den Maschinen mindestens zehn Stunden."

Greta Kuckhoff, von 1944 bis 1945 in Cottbus inhaftiert.

Weitere Zitate

Historischer Wandteller aus der StVE Cottbus

Im Frühjahr 2018 erweiterte sich die Sammlung des Menschenrechtszentrum Cottbus um diesen historischen Wandteller. Mehrere Schriftzüge auf dem mit Ornamenten und DDR-Emblem verziertem Holzstück sowie der dazugehörigen Verpackung weisen auf einen direkten Bezug zur damaligen Strafvollzugseinrichtung Cottbus (StVE) hin.

Zum Schulunterricht an der Polytechnischen Oberschule in Spremberg gehörten neben theoretischen Auseinandersetzungen mit Grundlagen der Technik, Automatisierung und Elektronik auch praktische Unterrichtseinheiten in Betrieben wie dem VEB Sprela-Werke Spremberg. In einem der Unterrichtsräume befand sich dem Spender des Objektes zufolge eine Vitrine, in der unter anderem dieser Teller ausgestellt war.

Vermutlich handelte es sich hierbei einst um ein Geschenk des Leiters der StVE Cottbus an den damaligen Betriebsleiter des VEB Sprela-Werke Spremberg. Dies ist auch deswegen denkbar, da der VEB Sprela-Werke Spremberg zur Zeit der DDR einen Teil seiner Produktion von Insassen der Cottbuser Haftanstalt hatte herstellen lassen. Vielleicht wurde sogar das Objekt selbst von Häftlingen der StVE Cottbus angefertigt.

Foto: Steffen Krahl

Objekte des Monats

2018

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Gefängnis bis 1950 der Brandenburger Justiz unterstellt. Dabei wurden die Häftlinge in verschiedenen Gewerken überwiegend für den Wiederaufbau des stark zerstörten Gefängnisses eingesetzt. Auch einige externe Betriebe und sowjetische Dienststellen setzten Häftlinge zur Arbeit ein. Inhaltlich wurde an die Reformkonzepte der Weimarer Republik angeknüpft, die die Resozialisierung der Gefangenen in den Mittelpunkt stellten. Nach der Gründung der DDR und der Übernahme des Gefängniswesens durch das DDR-Innenministerium 1951 änderte sich dies jedoch grundlegend.

Das hier präsentierte Foto zeigt das massiv beschädigte Hafthaus 1. Weitere Fotos aus der Dokumentation sind seit dem 10. Dezember 2017 in der neuen Dauerausstellung "Haft – Zwang – Arbeit im Zuchthaus Cottbus 1933-1989" in der zweiten Etage der Gedenkstätte zu sehen. Sie geben Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche des Gefängnisses.

Leihgabe JVA Cottbus Dissenchen

„Nun muß man sich bewähren …“ – Zeitungsartikel als Form der Propaganda

Vor 56 Jahren, am 6. April 1962, erschien in der Zeitung Brandenburgische Neueste Nachrichten, Regionalausgabe Cottbus, dieser Artikel. Er beschreibt den gescheiterten Fluchtversuch einer Gruppe junger Menschen, der für die meisten von ihnen mit einer Haftstrafe endete. Die Jugendlichen, darunter der später durch die Fernsehserie „Weissensee“ bekannt gewordene Schauspieler Uwe Kockisch, hatten versucht, illegal mit einem Boot über die Ostsee aus der DDR zu fliehen. Doch ihr Vorhaben ist verraten worden – vielleicht sogar von jemandem aus der Gruppe selbst. Uwe Kockisch kam daraufhin für mehrere Monate ins Zuchthaus Cottbus. Zum Zeitpunkt der Tat war er noch keine 18 Jahre alt.

Dass die Zeitungen der DDR über gescheiterte Republikfluchten und ihre strafrechtlichen Verfolgungen berichteten, war nicht ungewöhnlich. Auch im Neuen Deutschland wurde regelmäßig zur Abschreckung der Gesellschaft über verhinderte Fluchthilfeaktionen informiert. Zugleich waren es willkommene Anlässe, die Vorzüge der DDR zu betonen und Feindbilder zu kreieren.

Eine Besucherin übergab 2017 diesen Artikel an das Menschenrechtszentrum Cottbus. Die vierte Staffel der ARD-Fernsehserie „Weissensee“ startet am 8. Mai 2018.

„Grüße an Honny“ – Urlaubspost von den Cook Islands

Vor wenigen Wochen erreichte das Menschenrechtszentrum diese farbenfrohe Postkarte. Der ehemalige politische Häftling Hans-Werner Thiemann, der 1974 wegen versuchter Republikflucht verurteilt und u. a. im Zuchthaus Cottbus inhaftiert gewesen ist, hatte über den Jahreswechsel 2017/2018 seine Tochter in der Südsee besucht.

Beim Schreiben der Karte an die Gedenkstätte erinnerte er sich daran, dass es nicht sein erster Gruß war, den er von den Cook Islands aus verschickte. 1984 hatte er von hier aus Erich Honecker geschrieben:

"Beste Grüße aus dem WAHREN PARADIES sendet Dir Dein ehemaliger politischer Häftling aus dem EB 4 im Zuchthaus Cottbus Hans Thiemann."

Zehn Jahre nach seinem Freikauf aus der DDR, ist Hans-Werner Thiemann gemeinsam mit seinem Chef eine Weltreise angetreten und hatte hierbei auch vier Wochen lang Abenteuer und Entspannung auf den Cook Islands gesucht – eine Reisefreiheit, die für ihn als ehemaligen DDR-Bürger zwar immer ein Traum, aber doch lange Zeit undenkbar gewesen war.

Die Südseeinseln mit ihren atemberaubenden Stränden und der besonderen Art der einheimischen Bevölkerung hatten sofort sein Herz erobert: „Dort lernte ich die freundlichsten Menschen der Welt kennen, die auch noch lebenslustig und unbeschwert auf einem der landschaftlich schönsten Atolle der Welt wohnen, ihre Traditionen leben und sich nicht für das Geld der Touristen verbiegen lassen.“ Dass später seine Tochter sogar einen Maori heiraten und Thiemann der Großvater eines Maori-deutschen Enkelkindes werden würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der Text seiner Postkarte aus dem Jahr 2018 an das Menschenrechtszentrum zeigt, dass man selbst an einem der schönsten Orte der Welt vor Erinnerungen an schwere Zeiten nicht gefeit ist, aber auch das Unrecht besiegt werden kann.

2017

Dank für Solidarität

Am 12. Dezember 2016 wurde der ehemalige politische Häftling Viktor Witt vom Europäischen Zentrum für Solidarität (ECS) in Danzig mit der Dankbarkeitsmedaille ausgezeichnet. Mit der Verleihung der Medaille gedenkt das ECS seit 2010 der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność. Gleichzeitig möchte das Zentrum damit jene Menschen ehren, die die Bewegung in den 1980er-Jahren weltweit unterstützt haben.

Zu diesen Menschen gehörte Viktor Witt. Am 17. Dezember 1981 trat er gemeinsam mit mehreren hundert Häftlingen im Zuchthaus Cottbus  in den Hungerstreik ein, um Solidarität mit den Bestrebungen der polnischen Bewegung zu bekunden.

Dies war ein sehr mutiger und gefährlicher Akt, waren sie doch als Häftlinge zu dem Zeitpunkt selbst den Machtstrukturen einer Diktatur ausgesetzt. Umso mehr zeugte ihr Verhalten von großer Zivilcourage und der Bereitschaft, sich auch länderübergreifend für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einzusetzen.

Im Dezember 2017 überließ Viktor Witt seine Medaille dem Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. als Dauerleihgabe.

Pfeifenbesteck von Günter Weinhold

Günter Weinhold, der von 1980 bis 1981 aus politischen Gründen in Cottbus inhaftiert war, bekam zur Besuchszeit einmal von seiner Ehefrau eine Pfeife mitgebracht.

Das Rauchen hob er sich zumeist für Samstage und Sonntage auf, um so seine Freigänge am Wochenende auf besondere Weise zu zelebrieren. Das gemütliche Paffen an der frischen Luft lenkte ihn für einen kurzen Augenblick vom rauen und eintönigen Gefängnisalltag ab. Manchmal bezeichnete er solche Pausen seinen Freunden gegenüber sogar als „Schöner Knast heute!“.

Zum Reinigen und Stopfen der Pfeife verwendete er dieses Besteck, das ihm ein Mithäftling aus Edelstahlabfällen der Stanzerei hergestellt hat und welches ihm erstaunlicherweise nicht "weggefilzt" wurde. Herr Weinhold hat das Pfeifenbesteck bis heute aufbewahrt.

Leihgabe von Günter Weinhold

AKTUELL --- AKTUELL --- AKTUELL

Im September 2017 haben wir nach einem früheren politschen Häftling gesucht, der während seiner Haft mehrere tolle Zeichnungen gefertigt hatte (s.u.). F.T. war schon vor seiner Inhaftierung ein Künstler und ist es immer noch. Wir freuen uns, dass demnächst die Übergabe der alten Zeichnungen stattfinden wird. Darüber hinaus planen wir eine Ausstellung mit den damaligen Zeichnungen und heutigen Werken dieses Künstlers. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten. Eine besondere Suchaktion hat ein vorläufig glückliches Ende gefunden.

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Suchaktion:

Laut Aussagen eines Zeitzeugen stammt diese Zeichnung von einem Mann, der im Frühjahr 1985 aus politischen Gründen im Erziehungsbereich 5 oder 7 des Hafthauses I inhaftiert war und die Initialen F.T. trug.

Von Februar bis April 1985 zeichnete er zwei volle Blöcke mit künstlerisch wunderschönen Motiven. Darunter sind Zeichnungen von Haftkameraden, sehr ausdrucksstarke symbolische, abstrakte oder sogar politische Motive, aber auch Landschaften. Unter jeder dieser Zeichnungen sind seine Initialen F.T. zu lesen. Sein ehemaliger Erzieher war von der Qualität der Zeichnungen so sehr beeindruckt, dass er sie nach der Rückgabe der Blöcke nicht vernichtete, sondern all die Jahre aufbewahrte. Nähere Informationen zu dem Häftling sind uns leider nicht bekannt.

Wer ist F.T.? Wer kennt diese Zeichnungen oder wurde gar von ihm porträtiert? Vielleicht lebt der Häftling sogar noch und man kann ihm seine Zeichnungen zurückgeben. Wir nehmen jeden weiterführenden Hinweis gerne entgegen. Wenn F.T. selbst diese Zeilen liest und sich meldet, wäre es sogar noch schöner.

Ein Bierkrug als Auftragsarbeit

Dieser Bierkrug mit der Aufschrift „Kellerclub StVE Cottbus“ wurde wahrscheinlich Anfang der 1980er Jahre von Häftlingen der Strafvollzugseinrichtung Cottbus hergestellt. Laut Aussagen eines Zeitzeugen gab es im Hafthaus 2 des Gefängnisses eine Töpferei, in der Häftlinge immer wieder mit Ton Gegenstände für den privaten Gebrauch der Bediensteten hergestellt haben. So wohl auch für den Anglerverein Dynamo Süd, welchem Bedienstete des Gefängnisses und der Volkspolizei angehörten. Auch Zivilisten, sogar Kinder, konnten Mitglied sein.

Ein Treffpunkt des Vereins war das Traditionszimmer im Keller der zum Gefängnis dazugehörigen Villa. Üblicherweise haben die Vereinsmitglieder im Speisesaal der Bediensteten gefeiert, aber bei rechtzeitiger Voranmeldung konnten sie den Kellerclub nutzen, wo auch dieser Bierkrug Verwendung fand.

Schenkung: ohne Angabe

„Selbstportrait vor Fluchtlandschaft“ – Zeichnung von Hans-Werner Thiemann

Ein junger Mann, dahinter Berge, ein Fluss – Idylle oder das Tor zum Gefängnis?

Um die DDR zu verlassen, versuchte Hans-Werner Thiemann 1974 von Rumänien aus über die Donau nach Jugoslawien zu schwimmen. Der Fluchtversuch scheiterte. Er wurde verhaftet, verbrachte einige Wochen in jugoslawischer und rumänischer Untersuchungshaft, bevor man ihn streng bewacht zurück in die DDR flog. Verurteilt wegen versuchter Republikflucht trat er vier Monate später seine Haftstrafe im Zuchthaus Cottbus an, wo der damals 20-Jährige zufällig Papier und Stift in die Hand bekam. Thiemann begann, sich selbst zu zeichnen – im Hintergrund seine einstige Fluchtlandschaft. Bei einem Besuchstermin durfte er seine Zeichnung damals sogar einem Angehörigen mitgeben. Wahrscheinlich wusste der Wachmann nicht, was die friedlich aussehende Landschaft für den Häftling bedeutete.

Im Juni 2017 übergab Hans-Werner Thiemann sein Selbstportrait der Gedenkstätte.

Unser neuestes Sammlungsstück: Eine Praktica BC1 electronic von Pentacon

Im Mai 2017 schenkte Rolf Persich dem Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. diese Spiegelreflexkamera und löste sich damit von einem Stück, das für ihn mit vielen Erinnerungen verbunden ist – viele davon sind negativ.

Rolf Persich fertigte 1984 als politischer Häftling in der Strafvollzugseinrichtung Cottbus Kamerateile für den VEB Pentacon Dresden an. Als er hörte, dass die Kameras im Handel verkauft werden, bat er seinen Cousin noch im selben Jahr, ein Exemplar für Herrn Persich zu erwerben. Der ehemalige Häftling weiß nicht, ob sich tatsächlich auch in dieser Kamera Teile befinden, die er selbst hergestellt hat. Doch alleine der Umstand, dass es möglich wäre, bedeutete ihm damals viel.

Mit der Übergabe der Kamera an die Gedenkstätte möchte er einen Beitrag zur Erforschung und Bekanntmachung der Geschichte der DDR und des Haftortes in Cottbus leisten. Er freut sich, wenn er die Arbeit des Menschenrechtszentrums damit unterstützen kann.

Stück für Stück Geschichte entdecken – Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums stießen auf improvisierten Tauchsieder

Auch 27 Jahre nach dem Ende der DDR lassen sich auf dem Gelände des ehemaligen Zuchthauses immer noch kleine Schätze finden. So erspähten Gedenkstättenmitarbeiter am 6. April 2017 hinter einer Heizung diesen selbstgebastelten Tauchsieder. Wahrscheinlich hat ihn einer der Häftlinge damals hier versteckt.

Viele Gefangene fertigten heimlich kleine Alltagsgegenstände wie Tauchsieder zur Wassererwärmung, Pfeifenbesteck oder Schachfiguren an, um sich die Zeit zu vertreiben und sich den Alltag in der Haft etwas erträglicher zu gestalten. Während einige Wachmänner solche Aktivitäten tolerierten, nahmen sie andere Mitarbeiter als Anlass für harte Bestrafungen und Arrestanordnungen.

Schreiben der Strafvollzugsanstalt Cottbus zur Rücksendung von Privatsachen, 9. Dezember 1954

Wie vielen anderen Häftlingen in der DDR nahm man Arno Drefke in der Strafvollzugsanstalt Cottbus alle persönlichen Gegenstände und Kleidungsstücke ab und ersetzte sie durch eine anonyme Häftlingsausstattung.
Schreibmaterialien durften die Häftlinge oft gar nicht oder höchstens vorübergehend mit in ihre Zellen nehmen.

Dies diente einerseits der Sicherheit und Hygiene – so sollten zum Beispiel Selbstmordversuche verhindert werden. Andererseits war es eine willkommene Möglichkeit, den Häftlingen einen Teil ihrer Persönlichkeit zu nehmen und ihnen jeglichen Komfort zu versagen.

Die Privatsachen wurden entweder in der Effektenkammer, einem gesonderten Bereich des Gefängnisses, aufbewahrt oder wie im Fall von Arno Drefke den Angehörigen zurückgegeben.

Arno Drefke war im April 1953 bei einer Kurierfahrt für eine DDR-kritische Jugendorganisation verhaftet und wegen „Spionage“ und „Verbindungen zu West-Berliner Dienststellen“ zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. Einen Teil der Strafe verbüßte er von September 1953 bis April 1957 in der Strafvollzugsanstalt Cottbus. Erst nach fast zehn Jahren kam er im Sommer 1962 frei.

Historische Pläne der Stadt Cottbus

Das ehemalige Zuchthaus in Cottbus blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte als Haftort zurück und doch wussten viele DDR-Bürger nichts von dessen Existenz. Freigelassene Häftlinge trauten sich meist nicht, über ihre Erfahrungen zu sprechen und im offiziellen Kartenwerk der DDR war das Gefängnisareal nicht eingezeichnet.

Dies zeigen auch die Stadtpläne des VEB Landkartenverlags Berlin von 1968 und des VEB Tourist Verlags von 1988. In beiden Karten erscheint das Areal zwischen der Gartenstraße und der Bautzener Straße nur als eine anonyme Fläche. Dabei gehörte das Zuchthaus Cottbus zu den größten Gefängnissen der DDR. Zunächst unter dem Namen „Strafvollzugsanstalt Cottbus“ (StVA), später als „Strafvollzugseinrichtung Cottbus“ (StVE) geführt, unterstand es ab Ende der 1950er Jahre dem Ministerium des Innern. Bis 1989 waren hier neben kriminellen Häftlingen tausende Menschen aus politischen Gründen inhaftiert.

Leihgabe von Sigrid Bosse

2016

„Einschätzung“

In einem Dokument der Haft- und Vollzugsakte wird von einem Oberleutnant des Strafvollzugs der DDR eine „Einschätzung“ zu Martin Klopf gegeben.

Es wird deutlich, wie die Strafvollzugsangehörigen ihren Erziehungsauftrag verstanden und woran mögliche Erziehungserfolge gemessen wurden.

Vollzugsakte Martin Klopf

Quelle: Vollzugsakte Martin Klopf, Einschätzung vom 26.07.1989

 

Führungskette und Handfessel im Strafvollzug

Die Anwendung der Führungskette kam bei Vor– bzw. Zuführungen von Häftlingen im Strafvollzug zum Einsatz und stellte eine Zwangsmaßnahme dar. In der Regel wurde die Führungskette am rechten Handgelenk gespannt angelegt. Bei Widerstand des Häftlings wurden die Knebel durch das Strafvollzugspersonal vorwärts gedreht, was äußerst schmerzhaft war.

 

Auch die Handfessel stellte eine unmittelbare Zwangsmaßnahme dar. Die Fesselung erfolgte an den Händen vor dem Körper, insbesondere bei Widerstand gegen die Strafvollzugsangehörigen aber auch bei Transporten und bei Zuführungen vor Gericht und anderen staatlichen Einrichtungen.

Foto: Ralf Marten

Nur für den Dienstgebrauch!

Handbuch für operative Dienste

Im Lehrbuch „Operative Dienste“ wurden Aufgaben und grundsätzliche Regeln für die Arbeit von Bediensteten im DDR-Strafvollzug definiert. Insbesondere wurde auf den Umgang mit Häftlingen und auf die Sicherheit und Erziehung im Strafvollzug eingegangen.

Unter anderem wurde die Anwendung von Führungsketten, Hand- und Fußfesseln sowie Horch – und Sichtkontrollen, aber auch die Anwendung des Schlagstocks beschrieben.


Foto: Ralf Marten

Weitere Fundstücke in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Bei Aufräumungsarbeiten in der Werkhalle des ehemaligen Arbeitseinsatzbetriebes (AEB) VEB Sprela Werke Spremberg wurden nach mehr als 25 Jahren im Juni 2016 verschiedene Kleinteile im Mauerwerk gefunden. Die Häftlinge des Zuchthauses Cottbus mussten u.a. diese Teile, die als Stangenmaterial angeliefert wurden, auf Länge zusägen und auf Drehbänken nach Vorgabe innen und außen bearbeiten.

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus arbeitet aktuell zum Thema (Haft-) Zwangsarbeit im Strafvollzug Cottbus und hat einen Zeitzeugenaufruf gestartet. Eine Klärung der Fragen, unter welchen Bedingungen politische Häftlinge im Strafvollzug Cottbus Zwangsarbeit ausgesetzt waren, leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte und schafft Voraussetzungen für eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wir bitten alle ehemaligen politischen Häftlinge, aber auch ehemalige Zivilmeister der Arbeitseinsatzbetriebe (AEB) und Bedienstete der StVE Cottbus sich bei der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zu melden. weiterlesen


Foto: Ralf Marten

"Ein Schachspiel und seine Weltreise"

"Sieben Monate Untersuchungshaft im Stasi-Gefängnis Bautzenerstraße in Dresden, davon vier Monate Einzelhaft in einer Kellerzelle, wo ich das Schachspiel aus Brot und Speichel baute, die weißen Figuren mit etwas Zahnpasta und das Schachbrett aus dem Silberpapier einer Zigarettenschachtel.

Viele Wochen habe ich mit einem Mithäftling, den Namen habe ich vergessen, der in einer Zelle über mir saß, Schach gespielt, wobei die Spiele oft über Tage – verzögert durch zeitraubende Klopfverständigung, Verhörunterbrechungen, Zellenrevisionen usw. dauerten. Mit viel Mühe und zahlreichen Tricks hat mich das Spiel nach Cottbus, Chemnitz, Stuttgart, Heidenheim, Paris, Latina (Italien), Canterbury und zuletzt nach Kreta begleitet, um wieder zurück nach Cottbus zu kommen, wo es die meiste Zeit in Gebrauch war!" Das Schachspiel befindet sich als neues Objekt in der Dauerausstellung "Karierte Wolken".

Bernhard Krenkel
1968 – 1969 in Cottbus inhaftiert

Das Schachspiel befindet sich als neues Objekt in der Dauerausstellung "Karierte Wolken".

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Brief aus dem Zuchthaus Cottbus 

Die Kontaktmöglichkeiten der Häftlinge zu Verwandten und Freunden war im Strafvollzug der DDR streng reglementiert. Briefkontakte waren nur zu Personen möglich, die bei Beginn der Einlieferung in Cottbus festgelegt werden mussten. Die „Erzieher“ zensierten die Post der Gefangenen.

Gilbert Furian, wegen ungesetzlicher Verbindungsaufnahme und öffentlicher Herabwürdigung (§§ 219, 220) zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, schrieb im Januar 1986 einen Brief aus dem Zuchthaus Cottbus, in dem er die besonderen Vokabeln der Häftlinge beschreibt. Erstaunlich, dass dieser Brief durch die Zensur der „Erzieher“ nicht einbehalten wurde.

4. Brief Januar 1986

Foto des Zuchthauses Cottbus aus den 1980er Jahren


„Diese Aufnahme der StVE Cottbus fotografierte ich heimlich im März 1984, ein Jahr nach meiner Haftentlassung mit einem 200mm-Teleobjektiv auf einer Pentacon-Praktika. Durch die noch dürren Zweige im Vorfrühling hatte ich gute Sicht.
Für die Frühjahrsmesse 1984 reiste ich trotz Einreiseverbotes mit einem Messevisum eines Modehauses meiner Freundin im grünen Käferauto nach Leipzig und von dort unerlaubt mit dem Zug nach Cottbus zum Gefängnis. Aus dem Treppenhaus der Wohnanlage gegenüber des Gefängnisses nahm ich diese Bilder auf. Meinem Mithäftling Peter Kornexl schenkte ich den Abzug als Erinnerung an die harte Zeit, als ich unbehelligt zurück in Wiesbaden war.“

 

Objekt des Monats Mrz 2016

Foto: Cottbuser Häftlingsgemeinschaft, Roland B., März 1984

 

 

Objekt des Monats Februar 2016

 Ordner mit Fragebögen ehemaliger politischer Häftlinge

Unmittelbar nach dem Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland füllten einige ehemalige politische Häftlinge Fragebögen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) aus, die Informationen zur Untersuchungshaft, dem Gerichtsverfahren und dem Haftalltag im DDR-Strafvollzug geben. Die Fragebögen stellen eine besonders wichtige Quelle dar, da sie kurz nach der Freilassung ausgefüllt wurden.


Der Ordner mit den Fragebögen politischer Häftlinge, die das Zuchthaus Cottbus betreffen, wurde der Gedenkstätte durch die IGFM im Jahr 2015 übergeben.

Quelle: IGFM

Ein Kassiber im Brillenetui

„Über die Möglichkeit von der Bundesrepublik Deutschland aus dem Zuchthaus freigekauft zu werden, erfuhr ich von einem Mithäftling. Da dieser staatlich organisierte Menschenhandel in aller Heimlichkeit stattfand, war es schwierig, entsprechende Informationen nach "draußen" zu bringen, um über die Rechtsanwälte Stange (West) und Vogel (Ost) den Freikauf in die Wege zu leiten.

Alle notwendigen Informationen schrieb ich deshalb auf zwei Blatt Zigarettenpapier, die ich, eng zusammengewickelt und mit Silberpapier (aus einer Zigarettenschachtel) geschützt, zwischen Oberlippe und oberen Schneidezähnen versteckt zu einem "Sprecher" mit meiner Mutter mitnahm. Diese Vorsichtsmaßnahme war notwendig, da vor dem "Sprecher" die Anstaltskleidung gegen eine Besucherkleidung (alte Militärklamotten mit zugenähten Taschen) unter Aufsicht gewechselt wurde, wobei alle Körperöffnungen kontrolliert wurden, um Kassiberübergaben zu verhindern. Beim Gespräch mit meiner Mutter gelang es mir dann, unter den Augen des Wärters, der mit am Tisch saß, die kleine Kassiberrolle in das Brillenetui meiner Mutter zu schummeln.“

Bernhard Krenkel (1968 – 1969 in Cottbus inhaftiert)

Der Kassiber wird seit dem 10. Dezember 2015 in der Ausstellung „Karierte Wolken“ präsentiert.

2015

„Resolution aller SG der StVE Cottbus“, 04. Dezember 1989

resolution der sg cb 04.12

Während im Herbst 1989 Tausende Bürger in der DDR demonstrierten und am 09. November 1989 die Berliner Mauer fiel, regte sich auch in den Haftanstalten der DDR massiver Protest. In der Strafvollzugseinrichtung Cottbus bildete sich Anfang Dezember 1989 ein Gefangenenrat. Fünf Häftlinge formulierten eine Resolution, die sie an die Regierung der DDR und die Volkskammer richteten. Zu den Forderungen zählten u.a. die Abschaffung aller Paragrafen des politischen Strafrechtes der DDR, die vollständige Realisierung der Amnestie vom 28.10.1989 (Entlassung aller politischen Häftlinge) und eine menschenwürdige Unterbringung und Behandlung der Strafgefangenen.


Die Originalabschrift der Resolution vom Dezember 1989 wurde von Martin Rohde, einem ehemaligen politischen Häftling, der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus im Dezember 2013 übergeben.

Quelle: Martin Rohde (inhaftiert im Zuchthaus Cottbus Oktober 1989 bis Dezember 1989)