Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Menschenrechtszentrum Cottbus widmet sich der Heimerziehung in der DDR und der Hilfe für Verfolgte des SED-Unrechts

Am Donnerstag, dem 7. April, 17:30 Uhr wird in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus die Ausstellung „Auf Biegen und Brechen – Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau 1964 – 1989“ eröffnet. In den Spezialheimen der ehemaligen DDR wurden die Menschen- und Kinderrechte, das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Religionsausübung systematisch missachtet. Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau war offiziell die einzige geschlossene Disziplinierungseinrichtung für Jugendliche in der DDR und unterstand direkt dem Ministerium für Volksbildung. Während seines Bestehens vom 1. Mai 1964 bis zum 11. November 1989 wurden über 4.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zur "Anbahnung eines Umerziehungsprozesses" eingewiesen, die in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen negativ aufgefallen waren. Doch hatten sie weder Straftaten begangen noch gab es eine richterliche Anordnung für die Einweisung. Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill sollten eine Veränderung ihres Verhaltens bewirken, vor allem die Bereitschaft, sich den "sozialistischen Lebensnormen" unterzuordnen. „Für zahlreiche dieser Jugendlichen, die heute noch an den Folgen dieser Disziplinierung leiden, war damit der spätere Weg bis in die Gefängnisse der DDR und damit auch zum Zuchthaus Cottbus vorgezeichnet. Viele ihrer Angehörigen leiden ebenfalls bis heute“, erklärt die geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Cottbus (MRZ), Sylvia Wähling.


Auf dreizehn Rollups informiert die Ausstellung über die Geschichte des Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau. Anhand von Fotos, Dokumenten und Begleittexten wird der menschenunwürdige Alltag der Jugendlichen nachgezeichnet, die diese gefängnisähnliche Unterbringung durchlaufen mussten. Das Thema wird im Rahmen der Ausstellungseröffnung vom wissenschaftlichen Mitarbeiter des MRZ Ralf Marten mit einem Vortrag über die Heimerziehung in der DDR vertieft. Zum Gespräch steht der Zeitzeuge Alexander Müller zur Verfügung, die Moderation übernimmt Silvana Hilliger, Referentin bei der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur  (LAkD). Die Ausstellung ist vom 07.04.2016 bis 15.05.2016 in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zu sehen und ist eine Kooperationsveranstaltung der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und der LAkD mit dem MRZ.

Am gleichen Abend, um 19:30 Uhr  startet das Menschenrechtszentrum mit dem Vortrag von Margot Rothert  über die „Strafrechtliche Rehabilitierung politisch Verfolgter – und was dann?“ alle zwei Monate eine Beratung für politisch Verfolgte in den Räumen der Gedenkstätte. Margot Rothert ist eine ehemalige politisch Inhaftierte, deren Tochter nach der Entbindung zur Adoption freigegeben wurde. Erst nach 33 Jahren hat sie ihre Tochter über eine ZDF-Sendung wieder getroffen. Margot Rothert litt unter dem DDR-Unrecht sehr stark und hat nach der Wiedervereinigung Deutschlands einige Gerichtsprozesse mit Bezug auf die politische Verfolgung in der DDR und ihre Folgen gewonnen. Bei der Beratung wird es darum gehen, Leidensgenossen den juristischen Weg aufzuzeigen, welche Ansprüche in beruflicher, gesundheitlicher und finanzieller Hinsicht bestehen. Sie sollen aus ihren Erfolgen Mut fassen und ihre Rechte juristisch einfordern. Dem Vortrag folgt eine Diskussion mit dem Vorsitzenden des Menschenrechtszentrums, Dieter Dombrowski.

Um 17:00 Uhr findet eine Nagelkreuzandacht zu missbrauchten und getöteten Jugendlichen in vielen Teilen der Welt statt. Interessierte Bürger sind zu allen genannten Programmpunkten herzlich eingeladen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Sylvia Wähling

Geschäftsführende Vorsitzende Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. und

Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Tel: 0049-355-290133-0 (Durchwahl-12)

Fax: 0049-355-290133-33

Funk:0049-172-3474179

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