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  • Die Geschichte
    der Haftanstalt

Chronik

Das ehemalige „Königliche-Centralgefängnis Cottbus“ wurde 142 Jahre lang als Haftort genutzt. Während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und der SED-Diktatur waren hier zahlreiche politische Gegner und Gegnerinnen inhaftiert.

1855 – 1930
Bau des Gefängnisses
Der Gefängnisbau wurde in den Jahren 1855 bis 1859 unter der Führung der preußischen Justizverwaltung errichtet. Als Standort bot sich ein damals weitgehend unbebautes Gebiet im Süden von Cottbus zwischen Bellevuestraße (heute Bautzener Straße) und Gartenstraße an.

01. April 1860
Eröffnung des Königlichen Centralgefängnisses Cottbus
Die offizielle Eröffnung des „Königlichen Centralgefängnisses Cottbus“ erfolgte am 01. April 1860. Die Haftanstalt konnte 200 männliche und 50 weibliche Gefangene aufnehmen.

1930 – 1937
Jugendgefängnis
Ab 1930 bestand hier das einzige Gefängnis für männliche Jugendliche im Kammergerichtsbezirk Berlin.

Januar 1937 – Juli 1937
Männerstrafanstalt
Anfang 1937 wurde das Zentralgefängnis dann kurzzeitig zur Haftanstalt für Männer.

August 1937 – Januar 1939
Frauengefängnis
Doch bereits Mitte des Jahres fand erneut ein Gefangenenaustausch statt, fortan verbüßten hier ausschließlich Frauen ihre Haftstrafe.

Januar 1939 – April 1945
Frauenzuchthaus
1939 wurde in Cottbus das einzige Frauenzuchthaus im Kammergerichtsbezirk Berlin errichtet. Die Zahl politischer Gefangener wuchs in Cottbus – wie auch in anderen Haftanstalten – während der Zeit des Nationalsozialismus stark an. Zu den wichtigsten Gruppen gehörten neben kommunistischen Widerstandskämpferinnen (z.B. Angehörigen der Roten Kapelle), den hier in Untersuchungshaft befindlichen Frauen der Hamburger Weißen Rose und vielen Polinnen nach Kriegsbeginn auch sogenannte Nacht- und Nebelgefangene, überwiegend Französinnen und Belgierinnen. Viele dieser „NN-Gefangenen“ wurden schließlich der Gestapo übergeben und u.a. ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Zahlreiche jüdische und polnische Gefangene überstellte die Justiz aus dem Strafvollzug nach Auschwitz.

Luftbild Zuchthaus Cottbus 1944

Das Frauenzuchthaus Cottbus aus der Luft im Jahr 1944

15. Februar 1945
Zerstörung des Gefängnisses am Ende des Zweiten Weltkrieges
Große Teile des Gefängnisses wurden bei einem verheerendem Bombenangriff am 15. Februar 1945 zerstört. Es gab Dutzende Tote unter den Gefangenen. Einige Insassinnen konnten fliehen. Anschließend wurde das Zuchthaus nach und nach geräumt. Die Eroberung der Stadt Cottbus durch die Rote Armee am 22./23. April 1945 erlebte keine Gefangene mehr im Zuchthaus.

Juli 1945
Neueröffnung als städtisches Gefängnis

Nach dem Krieg wurde das weitgehend zerstörte Cottbuser Gefängnis provisorisch von der Stadtverwaltung übernommen und anschließend dem Justizministerium des Landes Brandenburg unterstellt.

Januar 1951
Übernahme durch das Ministerium des Innern der DDR
1951 übertrug die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) die inzwischen vornehmlich als Männergefängnis genutzte Haftanstalt dem DDR-Innenministerium und somit der Deutschen Volkspolizei. Die letzten weiblichen Insassinnen der Strafvollzugsanstalt Cottbus wurden 1954 ins Frauengefängnis Hoheneck verlegt. Mit dem Betreiberwechsel verschärfte sich das Haftregime erheblich, da die neuen Verantwortlichen den bisherigen Strafvollzug als von „falschen humanitären Gedanken“ geprägt ansahen.

Juni/Juli 1953
Massive Überbelegung

Unter der Ägide der Volkspolizei wurden in der Cottbuser Haftanstalt deutlich mehr Menschen als früher inhaftiert. Ihren Höhepunkt erreichten die Gefangenenzahlen in Folge des Volksaufstands vom 17. Juni 1953, als sich bis Ende Juli auf dem Gelände kurzzeitig mehr als 3000 Häftlinge drängten. Ab August 1953 sanken die Zahlen wieder, das Gefängnis blieb aber überbelegt.  

1960 – 1990
Nach dem Mauerbau
Seit Mitte der 1960er Jahre entwickelte sich die Strafvollzugsanstalt immer mehr zu einem Schwerpunktgefängnis für ausreisewillige DDR-Bürger, die wegen der Vorbereitung oder Durchführung eines Fluchtversuchs verurteilt worden waren. Auch andere politische Häftlinge saßen in großer Zahl ein. Viele von ihnen wurden durch die Bundesrepublik Deutschland freigekauft.

Foto Pentacon Stanze

Fertigungsstelle Cottbus des VEB Pentacon Dresden auf dem Gelände der Haftanstalt

MENSCHENRECHTSZENTRUM COTTBUS E.V.

Landschaftsbild Cottbus 1985

Cottbus von draußen zur Zeit der DDR, 1984

COTTBUSER HÄFTLINGSGEMEINSCHAFT

1961 – 1990
Zeitgleich Strafvollzugs- und Untersuchungshaftanstalt
1961 richtete das Ministerium des Innern in einem zuvor als Zellenhaus genutzten Gebäude zusätzlich zum Strafvollzug auf dem Gelände eine Untersuchungshaftanstalt ein. Die meisten Untersuchungsgefangenen waren dort wegen des Verdachts auf kriminelle Vergehen inhaftiert. Etwa 90 Prozent der Insassen waren männlichen Geschlechts. Das Gebäude der Untersuchungshaftanstalt und die dazugehörigen Freihofbuchten wurden 1993 abgerissen.

Luftbild Zuchthaus Cottbus 1987

Luftaufnahme der Strafvollzugseinrichtung aus dem Jahr 1987

1990 – 2002
Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg
Nach der Wiedervereinigung 1990 übernahm die Brandenburger Justiz das Gefängnis und führte es noch bis zum Umzug der Justizvollzugsanstalt ins neu gebaute Gefängnis nach Cottbus-Dissenchen 2002 weiter.


Nachnutzung


2002 – 2007
Leerstand
Nach Schließung des Gefängnisses an der Bautzener Straße verfielen die Gebäude.

Dezember 2007
Verkauf des Geländes an einen Privatinvestor
2007 wurde das gesamte Gelände versteigert und an einen Privatinvestor veräußert. Der neugegründete Verein Menschenrechtszentrum Cottbus kaufte das Gebäude an der Zufahrtstraße, wo einst Büros der Staatssicherheit und Kriminalpolizei waren.

2011/2012
Kauf des Gefängnisareals durch das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. und Eröffnung der Gedenkstätte
Dem Menschenrechtszentrum Cottbus gelang es 2011, das Gefängnisareal zu erwerben und in der Folgezeit teilweise zu sanieren. Am 04. September 2012 wurde die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus eröffnet.

August 2020
Unter Denkmalschutz gestellt
Im August 2020 wurde das ehemalige Cottbusser Gefängnis in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen.

Seit November 2021
Auch Außenstelle des Stasi-Unterlagen-Archivs (im Aufbau) 
Seit November 2021 ist das Bundesarchiv mit einer Außenstelle des Stasi-Unterlagen-Archivs Mieter auf dem Gelände der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. Nach der Sanierung wird die Außenstelle in das ehemalige Torhaus der Haftanstalt einziehen.

Zu Unrecht in Cottbus inhaftiert

Biografien

Traute Lafrenz


Hamburg 1942. Eine Münchner Medizinstudentin übergab einem alten Hamburger Bekannten ein Flugblatt der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Ihr Engagement in der Gruppe um Sophie und Hans Scholl brachte sie mehrfach in Haft.


Gisèle Guillemot


Caen 1943. Eine junge Französin transportierte als Mitglied eines Netzwerks der illegalen kommunistischen Partei im besetzten Frankreich Sprengstoff, vervielfältigte Widerstandspublikationen und unterstützte untergetauchte Verfolgte – bis sie in Gestapohaft kam.


Raimund August


Großräschen 1953. Ein Jugendlicher wurde von einem Freund verraten und erlebte viele Weihnachtsfeste nur noch im Gefängnis.


Bernd Eisenfeld


Leipzig 1968. Unter dem Dach der Kirche organisierte ein junger Mann mehrere Bausoldatentreffen und unterstützte die Prager reformkommunistische Bewegung. Kurz darauf wurde er wegen staatsfeindlicher Hetze zu 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitsentzug verurteilt.


Dieter Dombrowski


Ost-Berlin 1974. Ein junger Mann erfuhr, dass seine in West-Berlin lebende Mutter schwer krank ist, doch die Behörden der DDR lehnten alle Reiseanträge der Familie ab. Aus Verzweiflung wendete sich Dieter Dombrowski an einen Fluchthelfer. In einem verplombten Transporter wollte er sich über die Transitstrecke nach Hamburg schleusen lassen. Ein Verrat ließ das Fluchtvorhaben scheitern.


Martin Klopf


Wismar 1988. Nachdem ihm das Medizinstudium in der DDR verwehrt wurde, wagte der Arztsohn in Ungarn die riskante Flucht Richtung Westen und wurde dabei von ungarischen Grenzsoldaten verhaftet. Er wurde einer der letzten politischen Häftlinge der DDR.



Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. | Bautzener Straße 140 | 03050 Cottbus | Kostenlose Parkplätze

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Öffnungszeiten:

Mo
Ruhetag

Di - Fr
10 bis 17 Uhr

Sa + So
13 bis 18 Uhr

Einlass bis eine Stunde vor Schließung

An gesetzlichen Feiertagen geschlossen.

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