Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Das Mahnmal für die Todesopfer an den Grenzen des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer

Im Hof der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus können Besucher ein ganz besonderes Mahnmal besichtigen, das den Todesopfern an den Grenzen des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer gewidmet ist. Warum ausgerechnet in Cottbus?

Tausende Bürger der DDR versuchten nach dem Mauerbau zu Land, zu Luft und zu Wasser in die Freiheit zu gelangen. Vielen glückte die Flucht, andere scheiterten und verbrachten mehrere Jahre in den Gefängnissen der DDR. Unter den in Cottbus Inhaftierten befanden sich zahlreiche Personen, die wegen »versuchter Republikflucht« verurteilt worden waren. Hunderte Fluchtwillige mussten jedoch an der Berliner Mauer, an der innerdeutschen Grenze oder an den Grenzen osteuropäischer Länder ihr Leben lassen. Sie starben durch Schüsse der Grenzsoldaten, Minen und Selbstschussanlagen; andere ertranken in der Ostsee oder in der Elbe. Zum Gedenken an diese Menschen initiierte das Menschenrechtszentrum Cottbus gemeinsam mit dem Künstler Gino Kuhn am 13. August 2011, 50 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer, die Aktion »1 Ziegel für 1 Maueropfer«. Hunderte Bürger beteiligten sich, indem sie für 20 € einen Ziegel mit dem eingebrannten Namen eines Todesopfers spendeten. Mit allen Ziegeln schuf Kuhn ein Mahnmal, das die Umrisse der DDR symbolisiert und die Namen der Opfer des SED-Unrechts im Gedächtnis hält. In der ersten Bauphase wurde am 10. Dezember 2011 der Innenteil mit den Berliner Mauertoten eröffnet. Nach und nach baute Gino Kuhn die Umrisse, die die DDR symbolisieren sollen. 2017 und 2020 kamen auf Basis aktueller Forschungserkenntnisse weitere Teile dazu mit den Namen der Opfer an der innerdeutschen Grenze, in der Ostsee und den Bruderstaaten. Solange neue Namen von Todesopfern erforscht werden, bleibt es ein immerwährendes Werk.

Gino Kuhn hat eine persönliche Beziehung zum Mahnmal. Als westdeutscher Fluchthelfer verbrachte er wegen »staatsfeindlichen Menschenhandels« knapp 2,5 Jahre in DDR-Gefängnissen. Seit seinem Freikauf verarbeitet er mit künstlerischen Mitteln die Erlebnisse seiner Haft. Viele seiner Werke sind in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ausgestellt.

272 Einzelspender aus der ganzen Republik und dem Ausland ermöglichten mit insgesamt 28.000 € Spenden dieses Mahnmal und ein namentliches Gedenken an über 200 Todesopfer. Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur unterstützte zusätzlich mit 15.348 € die Erweiterung des Mahnmals.