Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Pressemitteilung anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte

Am kommenden Dienstag, den 10. Dezember um 17:00 Uhr lädt das Menschenrechtszentrum Cottbus in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte zur Veranstaltung „Gefängnisseelsorge in der DDR am Beispiel vom Zuchthaus Cottbus“ in die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Bautzener Straße 140) ein. Als Podiumsgäste werden zwei Zeitzeugen über ihre Erinnerungen an die Gefängnisseelsorge sprechen. Einer von ihnen ist der katholische Pfarrer Bernhard Walter aus Forst, der von 1969 – 1999 den Gottesdienst im Zuchthaus Cottbus gehalten hat. Unter welchen Bedingungen eine geistliche Betreuung der Häftlinge im politischen Haftsystem möglich war, wird er aus seiner seelsorgerischen Sicht berichten.

Der zweite Podiumsgast, Rolf-Joachim Erler, hat eine mehrfache Beziehung zur Gefängnisseelsorge in der DDR. Als junger Mann war er Mitte der 1970er Jahre selber in Haft im Zuchthaus Cottbus. In seiner Zeit wurde der Gottesdienst im Gefängnis für 1,5 Jahre ohne Begründung abgesetzt. Obwohl er nach seinem Freikauf in die Bundesrepublik Deutschland nicht in die DDR einreisen durfte, schaffte er es unter Gefahren und mit Vermittlung einiger kirchlicher Stellen am 28. Juni 1976 den damaligen zweiten evangelischen Pfarrer des Gefängnisses, Dietrich Max, in seinem Haus in Cottbus zu besuchen. Er berichtete ihm von der Situation im Zuchthaus Cottbus. Heute ist Rolf-Joachim Erler selbst Pfarrer im Ruhestand und transkribiert und analysiert derzeit die Predigten, die Pfarrer Max vor den Häftlingen gehalten hat.

Dem Menschenrechtszentrum Cottbus wurden die Predigten durch den Sohn von Pfarrer Max, Michael Max, zur Verfügung gestellt. Dieser hatte sie im Archiv seines Vaters entdeckt. „Die Predigten durften keinerlei politischen Inhalte enthalten oder Bezug zu aktuellen Geschehnissen nehmen. Auch mussten sie 14 Tage vorher zur Zensur bei der Gefängnisleitung eingereicht werden“, erinnert sich Michael Max, der ebenfalls zu Gast bei der Veranstaltung sein wird.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos. Sie sind herzlich eingeladen!
Für Fragen wenden Sie sich bitte an:
Sylvia Wähling
Geschäftsführende Vorsitzende Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. und
Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Tel: 0049-355-290133-0 (Durchwahl-12)