Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Objekt des Monats

Günter Weinhold am 1. Mai 2020 mit einer Reproduktion des Plakates, das er am 1. Mai 1980 zur „Maidemonstration“ in Dresden trug und zu seiner Verhaftung führte.


Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wird der 1. Mai als „Internationaler Kampftag“ der Arbeiterbewegung begangen. Zunächst wurde er als Manifestation für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung ins Leben gerufen. Die Nationalsozialisten erklärten ihn zum „Nationalen Feiertag des Deutschen Volkes“. Der 1. Mai blieb auch nach dem zweiten Weltkrieg gesetzlicher Feiertag, in der Bundesrepublik Deutschland als „Tag der Arbeit“, in der DDR als „Kampftag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“. Die Arbeiterklasse hatte hier, im Verständnis der Staats- und Parteiführung, die ihr von Marx, Engels und Lenin vorhergesagte historische Führungsrolle bereits übernommen, was den 1. Mai zu einem „Danksagungs-Tag“ werden ließ – wogegen sollte auch demonstriert werden?


Was aber, wenn Kritik geäußert wurde oder sich Bürger gar auf gesetzlich zugesagte Rechte beriefen?


Günter Weinhold wünschte das Land, in dem er leben wollte, selbst zu bestimmen. Das brachte er am 1. Mai 1980 friedlich zum Ausdruck. Dabei berief er sich auf eine völkerrechtliche Grundlage - die von der DDR unterzeichnete Schlussakte von Helsinki. Günter Weinhold wurde daraufhin wegen der „Beeinträchtigung staatlicher Organe“ verhaftet, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und verbrachte fast 13 Monate in verschiedenen DDR-Gefängnissen, unter anderem auch im Zuchthaus Cottbus, bevor er im Juli 1981 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft wurde.