Unbekannte haben einen Bildschirm im Cottbuser Hauptbahnhof zerstört, der Bestandteil der Ausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ ist. Nach ersten Erkenntnissen wurde das Display mit einem harten Gegenstand zertrümmert. Der Bildschirm ist vollständig unbrauchbar.
„Der Bildschirm wurde offenbar gezielt mit großer Gewalt zerstört. Damit wurde ein wichtiger Bestandteil unserer Ausstellung unbrauchbar gemacht. Die Installation erinnert an Menschen, die von Cottbus aus deportiert wurden und unter der nationalsozialistischen Verfolgung leiden mussten. Ein solcher Angriff trifft deshalb weit mehr als ein technisches Gerät. Wir hoffen, dass die Tat schnell aufgeklärt wird“, sagt Heide Schinowsky, Geschäftsführerin des Menschenrechtszentrums Cottbus.
Mitarbeitende des Menschenrechtszentrums haben den Schaden inzwischen begutachtet. Der Bildschirm kann nicht weiter verwendet werden. Das Menschenrechtszentrum prüft derzeit, ob kurzfristig ein Ersatzgerät beschafft und die Medieninstallation wieder in Betrieb genommen werden kann.
Die Herkunft und das Motiv der Täterinnen oder Täter sind bislang unklar. Offen ist auch, ob die Beschädigung mit früheren rechtsgerichteten Angriffen in Zusammenhang steht. Wegen des Tatorts im Bahnhof hat die Bundespolizei die Ermittlungen aufgenommen.
Die digitale Medieninstallation ist einer historischen Abfahrtstafel nachempfunden. Sie zeigt Namen und Schicksale, Daten und Ziele von Deportationen der Cottbuser jüdischen Bevölkerung. Die Ausstellung erinnert an die Deportation jüdischer Menschen, an Transporte zum und vom Frauenzuchthaus Cottbus sowie an die Zwangsarbeit während der NS-Zeit.
Die Projektarbeit der Ausstellung erfolgte in enger Kooperation mit lokalen Akteurinnen und Akteuren wie den Städtischen Sammlungen Cottbus, der AG Stolpersteine Cottbus und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Darüber hinaus entwickeln Studierende der BTU Peer-to-Peer-Führungen. Mit einem generationsübergreifenden und interaktiven Ansatz möchte das Menschenrechtszentrum Cottbus nicht nur historische Fakten vermitteln. Das Projekt soll auch die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und gesellschaftlichem Zusammenhalt in der Gegenwart verdeutlichen.
Die Ausstellung auf dem Bahnhofsvorplatz und im Hauptbahnhof läuft noch bis zum 30. August 2026. Anschließend wird sie bis Jahresende vor und im Menschenrechtszentrum in Cottbus zu sehen sein. Das Menschenrechtszentrum ruft Besucherinnen und Besucher dazu auf, sich gerade jetzt die Ausstellung anzuschauen. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.
