Haft endet nicht mit dem Verlassen des Gefängnisses. Für viele ehemalige politische Gefangene der DDR begann nach der Entlassung ein zweiter Kampf: um Würde, Anerkennung, Arbeit, Familie, Gesundheit und einen Platz in einem Leben, das durch staatliche Repression tief beschädigt worden war. Genau diesen Erfahrungen widmet sich die neue Sonderausstellung „Leben nach der Haft. Ehemalige politische Gefangene der DDR berichten“, die am Donnerstag, den 28. Mai 2026, um 17 Uhr in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus, eröffnet wurde. Rund 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, darunter viele Betroffene und ihre Angehörigen.

Die Ausstellung des Menschenrechtszentrums Cottbus e. V. und der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße erzählt von Frauen und Männern, die zwischen 1952 und 1989 aus DDR-Untersuchungs- oder Strafhaft in Potsdam und Cottbus entlassen wurden. Im Mittelpunkt stehen ihre persönlichen Erinnerungen: an Überwachung, Demütigung und politische Gewalt, aber auch an Neubeginn, Widerstandskraft und die oft lebenslangen Folgen der Haft.

„Die SED-Diktatur hat Menschen nicht nur eingesperrt, sie hat Lebenswege gebrochen, Familien belastet und Biografien dauerhaft gezeichnet. Wer den Mut hatte, sich nicht anzupassen, zahlte oft einen hohen Preis. Gerade heute ist es unsere Aufgabe, diesen Stimmen Raum zu geben. Denn Erinnerung ist kein Blick zurück aus sicherer Entfernung – sie ist eine Verpflichtung für die Gegenwart“, sagt Heide Schinowsky, Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus.

Zur Eröffnung sprachen und diskutierten Zeitzeugen und Experten über die Folgen politischer Repression. Auf dem Podium berichteten Claus Kurth und Michael Senger, die beide in der DDR aus politischen Gründen in Potsdam und Cottbus inhaftiert waren. Außerdem sprachen Dr. Maria Nooke, Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und Fördermittelgeberin für dieses Projekt sowie Evelyn Zupke, Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur und Dr. Sebastian Richter, Leiter des Stasi-Unterlagen-Archivs Frankfurt (Oder).

Die Sonderausstellung ist zunächst bis zum 13. September 2026 im Menschenrechtszentrum Cottbus zu sehen. Anschließend wird sie in der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam präsentiert.