Das Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. hat einen wissenschaftlichen Beirat eingesetzt. Das Gremium kam im Mai zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Zum Vorsitzenden des Beirats wurde Prof. Dr. iur. Thomas Wieske gewählt. Der Jurist ist emeritierter Hochschullehrer der Hochschule Bremerhaven/Universität Bremen und Mitglied des Vorstands des Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. Als ehemaliger politischer Häftling verbindet er wissenschaftliche Expertise mit persönlicher Erfahrung der SED-Diktatur.

„Das ehemalige Zuchthaus Cottbus ist ein Ort, an dem Geschichte nicht abstrakt bleibt. Hier wird sichtbar, was politische Verfolgung, Entrechtung und Haft für Menschen bedeutet haben. Der wissenschaftliche Beirat soll dazu beitragen, diese Erfahrungen historisch fundiert zu vermitteln. Dabei geht es auch darum, die Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ernst zu nehmen und die Erinnerung für kommende Generationen lebendig zu halten“, kündigt Wieske an.

Mit dem wissenschaftlichen Beirat stärkt das Menschenrechtszentrum die fachliche Begleitung seiner Arbeit am ehemaligen Zuchthaus Cottbus. Der historische Ort steht für den Terror der NS-Zeit und die Unrechtserfahrungen in der SED-Diktatur. Zugleich ist er heute ein Lern- und Erinnerungsort, der die Geschichte politischer Verfolgung sichtbar macht und Lehren für Gegenwart und Zukunft vermittelt.

Der Beirat berät den Vorstand künftig in inhaltlichen und gestalterischen Fragen. Dazu gehören insbesondere die Weiterentwicklung der Dauerausstellung, die Konzeption von Wechselausstellungen, die Erarbeitung pädagogischer Materialien, die Entwicklung von Curricula für Führungen sowie die Anregung und Unterstützung von Forschungsvorhaben. Außerdem soll der Beirat die Vernetzung des Menschenrechtszentrums mit vergleichbaren Einrichtungen im In- und Ausland stärken.

Dem wissenschaftlichen Beirat gehören Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gedenkstättenarbeit, politischer Bildung, Menschenrechtsarbeit und Zeitzeugenschaft an. Vertreten sind unter anderem Expertise zu Totalitarismusforschung, Zeitgeschichte, politischer Verfolgung, Spionageforschung, Erinnerungskultur, Menschenrechten sowie zur internationalen Gedenkstätten- und Bildungsarbeit.

Dieter Dombrowski, Vorsitzender des Menschenrechtszentrums Cottbus e. V.: „Wir freuen uns sehr, dass wir für den wissenschaftlichen Beirat eine so hochkarätige und vielfältige Runde gewinnen konnten. Das ist ein starkes Signal für das Menschenrechtszentrum und für die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. Die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise, internationaler Perspektive und persönlicher Erfahrung ehemaliger politischer Häftlinge ist für unsere Arbeit von großem Wert.“

Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus wurde von ehemaligen politischen Häftlingen gegründet. Ihre Erfahrungen prägen die Arbeit des Vereins bis heute. Am Ort des ehemaligen Zuchthauses dokumentiert das Menschenrechtszentrum die Geschichte politischer Verfolgung in der NS-Zeit und in der SED-Diktatur. Ziel ist es, die Erinnerung an dieses Unrecht wachzuhalten, die Erfahrungen der Verfolgten und ihrer Familien sichtbar zu machen und daraus Impulse für Menschenrechte, Demokratie und Zivilcourage heute abzuleiten.


Hintergrund

Dem wissenschaftlichen Beirat gehören an:

  • Prof. Dr. Uwe Backes, stellvertretender Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden
  • Prof. Dr. Jan C. Behrends, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
  • Jan Blazek, Publizist und Dokumentarist, Mitarbeit bei Post Bellum und dem Online-Projekt „Memory of Nations“ in Prag
  • Dr. Petra Haustein, Politikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Netzwerk „Zeitgeschichte. Gedenkstätten – Forschung – Zivilgesellschaft“
  • Dr. Tolou Maslahati, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Charité Berlin
  • Prof. Dr. Josef Musielok, Professor an der Universität Opole, Polen
  • Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs, Politologe und Spionageforscher
  • Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
  • Prof. Jacqueline E. Ross, Professorin an der University of Illinois
  • Lars Skowronski, Leiter des Wanderausstellungsprojekts „Das Reichskriegsgericht 1936–1945“ an der Gedenkstätte Roter Ochse Halle
  • Prof. Dr. iur. Thomas Wieske, Hochschule Bremerhaven / Universität Bremen, emeritiert, Mitglied des Vorstands des Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.
  • Evelyn Zupke, SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag

sowie

  • Dieter Dombrowski, Vorsitzender des Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.
  • Heide Schinowsky, geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.

Mehr Infos unter: https://www.menschenrechtszentrum-cottbus.de/menschenrechtszentrum/wissenschaftlicher-beirat/