Am Dienstag, 28. April 2026 lädt das Menschenrechtszentrum Cottbus in die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ein. Unter dem Titel „Wie aus Opfern Täter wurden“ rückt eine Veranstaltung die oft übersehenen Grauzonen der DDR-Geschichte in den Fokus – und erzählt von Lebenswegen, die sich einfachen Kategorien entziehen.

Mit dem Ende des SED-Regimes wurde die Aufarbeitung lange von einer klaren Trennung zwischen Tätern und Opfern bestimmt. Doch nicht alle Biografien passen in dieses Raster. Was geschieht, wenn Menschen unter extremem Druck handeln mussten? Wie gehen wir heute mit diesen Geschichten um? Und kann daraus ein Dialog entstehen? Genau diesen Fragen widmet sich der Zeitzeuge und Historiker Peter Keup, der um 17 Uhr seine aktuellen Forschungsergebnisse zur sogenannten Systemkollaboration politischer Häftlinge vorstellt. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die während ihrer Haft ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit gerieten und zu sogenannten Zelleninformatoren wurden. Im Anschluss lädt die Veranstaltung zum offenen Gespräch ein.

„Ein Thema, das bewegt und zum Nachdenken anregt: Gerade die scheinbaren Widersprüche in den Lebensgeschichten machen deutlich, wie wichtig es ist, genau hinzusehen und miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Heide Schinowsky, Gedenkstättenleiterin in Cottbus. „Diese Veranstaltung lädt dazu ein, sich mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen – und dabei neue Perspektiven zu gewinnen.“

Bereits ab 11 Uhr wird die Gedenkstätte zum Ort der persönlichen Spurensuche: Bei der Bürgerberatung des Stasi-Unterlagen-Archivs Frankfurt (Oder) können Besucherinnen und Besucher Anträge auf Akteneinsicht stellen, Fragen zu Angehörigen klären oder Unterstützung bei der Entschlüsselung von Decknamen erhalten – unkompliziert und kostenfrei. Parallel wird die Ausstellung „Stasi – Was war das?“ eröffnet, die anschaulich Einblicke in Struktur und Arbeitsweise der Staatssicherheit vermittelt.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 28. April 2026, von 11:00 bis 19:00 Uhr in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus, statt. Die Bürgerberatung läuft von 11:00 bis 17:00 Uhr, Vortrag und Gespräch schließen sich von 17:00 bis 19:00 Uhr an. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv durchgeführt.