Zitat des Monats April

"In Cottbus kamen wir in die Katakomben, die sich an der Südseite des Hafthauses II befanden. Es war ungemein dreckig darin, eklig, stinkend!"

Claus Kurth, 1984 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Heilende Wunden? Nachklang zur Veranstaltung am 9. März 2018

Auch 29 Jahre nach dem Fall der Mauer fehlt es in der Bundesrepublik noch immer an einer Lobby, die sich ausreichend mit den Belangen der politisch Verfolgten in der DDR befasst. Dabei erleben Tausende von Menschen in Deutschland täglich Folgen der politischen Traumatisierung durch das SED-Unrecht. Manche schaffen es, mit ihrem Trauma im Alltag umzugehen, andere unterdrücken es, aber nicht wenige leiden an den Spätfolgen, müssen regelmäßig in psychologische Betreuung, sind dadurch erwerbsunfähig oder können mit der errungenen Freiheit nicht umgehen.

Mit einem abwechslungsreichen Abendprogramm widmete sich das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. am 9. März 2018 der Aufarbeitung dieser politischen Traumatisierung und zeigte hierbei nicht nur den fortwährenden Handlungsbedarf auf, sondern gab mit konkreten Hinweisen und Erfahrungsberichten auch Anlass zur Hoffnung. So eröffneten die ehemaligen politischen Häftlinge Siegmar Faust und Dr. med. Karl-Heinz Bomberg den Abend mit einer Lesung aus Bombergs neuem Buch „Heilende Wunden – Wege der Aufarbeitung politischer Traumatisierung in der DDR“, bevor das Thema in einer Podiumsdiskussion vertieft wurde. Das musikalische Begleitprogramm von Erika Kunz und Dr. Karl-Heinz Bomberg umrahmte die Veranstaltung und gab zugleich einen bewegenden Einblick in Bombergs eigene künstlerische Haftverarbeitung.

Als ehemaliger Häftling und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hilft Dr. med. Bomberg täglich Opfern politischer Traumatisierung in der DDR, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und individuelle Bewältigungsformen zu finden – von psychoanalytischer Therapie, sozialen Netzwerken, Humor, Religion und Reisen bis hin zu Kunstproduktion. Einige dieser Wege stellt Bomberg in seinem neuen Buch vor und lässt hierbei auch bewusst Betroffene zu Wort kommen.

Dass es den Heilungsprozess positiv beeinflussen kann, dem erfahrenen Unrecht einen öffentlichen Raum zu geben, es zu beschreiben und von der Gesellschaft und von staatlichen Einrichtungen anerkennen zu lassen, betonte auch Petra Morawe in der anschließenden Podiumsdiskussion. Petra Morawe berät als Mitarbeiterin der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in Deutschland (LAkD) seit vielen Jahren Betroffene u.a. zu Fragen der Rehabilitierung und Entschädigung nach politischer Verfolgung in der SBZ/DDR und unterstützt sie bei der Antragstellung zur Akteneinsicht in Unterlagen der Staatssicherheit.

An der von Jennifer Rietz moderierten Diskussion nahmen neben Petra Morawe und Dr. med. Bomberg auch die beiden ehemaligen Cottbuser Häftlinge Gino Kuhn und Matthias Katze teil. Sie sprachen nicht nur über ihre eigenen Wunden und Wege der Aufarbeitung, sondern gaben auch konkrete Tipps zur Annäherung an das Erlebte und zu verschiedenen Formen der Bewältigung. Während Gino Kuhn seine Hafterlebnisse bereits frühzeitig in Form von Bildern und Skizzen verarbeitete und heute bundesweit mit Ausstellungen vertreten ist, musste Matthias Katze aufgrund der schweren Misshandlungen durch den berüchtigten Wärter „Roter Terror“, Hubert Schulze, bis heute mehrfach stationär behandelt werden. Gleichzeitig möchte der ehemalige Häftling den Betroffenen auch Mut machten. So betonte Matthias Katze, dass es zwar kein leichter Weg ist, aber dass man lernen kann, mit seinem Trauma umzugehen.

Das Buch „Heilende Wunden. Wege der Aufarbeitung politischer Traumatisierung“ von Dr. med. Karl-Heinz Bombergs ist seit Februar 2018 im Buchhandel erhältlich und kann zu einem Preis von 24,90€ zzgl. 1,60€ für Porto und Versand über das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. bezogen werden.

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