Zitat des Monats September 2017

"Jede Würde des Menschen war einfach weg."

(Rainer Dellmuth, im Zuchthaus Cottbus 1972 inhaftiert)

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Pressemitteilung - Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ im Menschenrechtszentrum Cottbus

2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Aus diesem Anlass zeigt das Menschenrechtszentrum Cottbus vom 22. März bis zum 07. Mai 2017 die Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“. Die Ausstellung beschreibt den Aufstieg und Niedergang des Kommunismus im 20. Jahrhundert. Seine Verfechter waren dazu angetreten, nicht nur die Welt, sondern auch die Menschen grundlegend zu verändern. Den kommunistischen Heils- und Zukunftsversprechen folgten rund um den Globus Millionen Anhänger. Zugleich entwickelten sich diese Versprechen zum Albtraum für Abermillionen, die Opfer kommunistischer Gewaltregime wurden. Im Zuchthaus Cottbus, das eines der größten politischen Gefängnisse der DDR war, saßen Tausende dieser Opfer ein, die allerdings vielfach erst durch ihre Erlebnisse während der Haft zu Antikommunisten wurden.

Nicht selten saßen jedoch auch Häftlinge im Gefängnis ein, die wegen ihrer kommunistischen Einstellung, die der herrschenden Politik widersprach, verhaftet worden waren. Zu den 1982 von Amnesty International (ai) in der DDR betreuten Fällen gehörten auch zwei inhaftierte Brüder, die Mitglieder der KPD/ML waren. Einer von ihnen, der 1981 zu 4 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilte Medizinstudent Robert B., büßte seine Strafe bis April 1986 im Zuchthaus Cottbus ab. Hier fand der Kommunist unter den zumeist antikommunistisch eingestellten Häftlingen kaum Anschluss. „Widersinnigerweise verbot man dem Ost-Berliner, im Zuchthaus die Bücher von Marx und Lenin zu lesen,“ erklärt die geschäftsführende Vorsitzende vom Menschenrechtszentrum, Sylvia Wähling. „Sein Bruder Andreas war ebenfalls wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu 8 Jahren Haft in Brandenburg-Görden verurteilt worden. In der Operativen Personenkontrolle (OPK) „Igel“ standen die Brüder sogar während der Haftzeit unter Beobachtung der Stasi. Diese befürchtete, sie könnten „durch ihre negative Haltung andere Strafgefangene beeinflussen“, ist in den Stasiakten zu lesen“, so weiter Wähling.

Die Ausstellung präsentiert auf 25 Tafeln über 200 zeithistorische Fotos und Dokumente. Ihr Autor ist der Frankfurter Historiker und Publizist Dr. Gerd Koenen. Zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, dem 22. März, um 18:00 Uhr stehen der Historiker und Ausstellungsmacher Dr. Ulrich Mählert, Leiter des Arbeitsbereichs Wissenschaft und Internationale Zusammenarbeit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie der ehemalige Cottbuser politische Häftling, Siegmar Faust für einen Kurzvortrag und zum Gespräch zur Verfügung. Siegmar Faust sagt, dass er als „Jungmarxist“ ins Gefängnis gekommen ist.

Der Eintritt in die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ im Foyer der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Bautzener Straße 140) ist frei.

Für Fragen wenden Sie sich bitte an:

Sylvia Wähling, Geschäftsführende Vorsitzende Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. und Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus