Zitat des Monats Juli

"Im Gelände des Zuchthauses war eine Filterproduktion für Giftmasken eingerichtet worden. Ein kriegswichtiges Unternehmen mit Fließbandfertigung! [...] Die an den Maschinen arbeitenden Frauen standen vor den Maschinen mindestens zehn Stunden."

Greta Kuckhoff, von 1944 bis 1945 in Cottbus inhaftiert.

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Pressemitteilung - Menschenrechtszentrum Cottbus erforscht alle aus politischen Gründen Inhaftierten in Cottbus

Das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. erforscht ab Januar 2019 alle aus politischen Gründen Inhaftierten der Untersuchungshaft- und Strafvollzugsanstalten Cottbus an der Bautzener Straße sowie der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Am Spreeufer. Die auf vier Jahre angelegte Forschung ist Teil eines Forschungsprojektes unter der Leitung von Prof. Jörg Baberowski vom Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin mit sechs weiteren Universitäten und Gedenkstätten, u.a. der Charité-Universitätsmedizin Berlin, der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und der Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin. Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens „Landschaften der Verfolgung - Erfassung und Analyse der politischen Repression in SBZ und DDR“ steht die Schaffung einer Datenbank nach dem Muster der Holocaust-Opfer-Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem, in der alle Opfer politischer Verfolgung in SBZ und DDR mit ihrem Namen, persönlichen Daten und, soweit möglich, ihren Biografien, einem Foto, aussagekräftigen Schlüsseldokumenten und einem Zeitzeugeninterview verzeichnet werden. „Wir streben an, mit unserem Teilprojekt Klarheit über alle Personen zu bekommen, die in den zwei Cottbuser Haftanstalten und den Außenlagern inhaftiert gewesen sind. Da die Ergebnisse des Projektes der Forschung und Lehre für zukünftige Generationen dienen sollen, hoffen wir, dass zahlreiche Betroffene und Bürger ihre Erlebnisse und ihr Wissen an uns weitergeben. Auch ehemalige Bedienstete der zwei Gefängnisse sind herzlich willkommen,“ erklärt Dieter Dombrowski, Vorsitzender der Menschenrechtszentrums Cottbus, selbst in Cottbus Mitte der 1970er Jahre inhaftiert.

Bald 29 Jahre nach dem Ende der DDR sind die Ausmaße politischer Verfolgung in Ostdeutschland während der über 40-jährigen kommunistischen Diktatur immer noch unzureichend erforscht. Niemand weiß, wie viele Menschen aus politischen Gründen getötet, wie viele inhaftiert wurden und wie viele in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR zwangsweise umgesiedelt oder in die Sowjetunion deportiert wurden. Ebenso unbekannt ist, wie viele Menschen an den Grenzen oder in den Gefängnissen verletzt und wie viele gegen ihren Willen in psychiatrische Kliniken eingewiesen wurden. Auch unzureichend untersucht sind die Gründe, warum welche Bevölkerungsgruppen in welcher Weise verfolgt wurden sowie das Handeln der Repressionsorgane, insbesondere die Kriterien der Verfolgung, die Motive der Verfolger, die Relation zwischen Willkür und Verrechtlichung und die für kommunistische Diktaturen zentrale Frage, wie und warum sich die Praxis politischer Gewalt im Laufe der Zeit änderte.

Der Forschungsverbund SED-Unrecht, dem das Menschenrechtszentrum Cottbus angehört, ist einer der 14 Forschungsverbünde zur Geschichte des SED-Staates, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) nach einem Auswahlverfahren ausgewählt wurden und mit bis zu 40 Millionen Euro gefördert werden. Der Forschungsverbund SED-Unrecht bekommt voraussichtlich 5,3 Millionen Euro Fördermittel, ca. 335.000 € erhält das Menschenrechtszentrum für eine neue Personalstelle und Sachkosten. Zu den Forschungsfragen der 14 Verbünde zählen begangenes Unrecht, etwa in Haftanstalten, Erziehungsheimen, im Gesundheitswesen sowie gegen Ausreisewillige, aber auch Modernisierungsblockaden in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein weiterer Fokus liegt auf den Nachwirkungen der DDR und des Transformationsprozesses nach 1989/90 auf aktuelle Entwicklungen.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an:

Sylvia Wähling
Geschäftsführende Vorsitzende Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. und
Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Tel: 0049-355-290133-0 (Durchwahl-12)
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