Zitat des Monats

"Die Transportzellen waren voller Menschen. Ein Bereich mit Gestank und Unrat."

Dr. Alfons Wilding, von 1975 bis 1976 im Zuchthaus Cottbus inhaftiert

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Internationaler Bauorden

Es ein Merkmal der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, die Jugend über die Arbeit vor Ort anzusprechen. Der Internationale Bauorden mit Sitz in Ludwigshafen ist von Beginn an ein verlässlicher Kooperationspartner beim Ausbau der Gedenkstätte. Mithilfe des Bauordens haben seit dem Sommer 2011 acht jeweils zweiwöchige Baucamps in der Gedenkstätte stattgefunden. Die zumeist jungen Studenten aus verschiedenen Ländern der Welt - von Belgien bis Aserbaidschan oder Australien - haben mit ihrem körperlichen Einsatz entscheidend bei der Sanierung der Gedenkstätte geholfen.

bauorden webDie erste Gruppe gab 2011 den Startschuss der Baumaßnahmen. Dreizehn Helfer aus Deutschland, Georgien, Russland und Frankreich schlossen im August 2011 eine Lücke an der Außenmauer des Gefängnisses. Acht von ihnen waren junge Frauen, die sich nicht scheuten, hart anzupacken. Für zwei der Georgierinnen hatte dieser Einsatz eine ganz besondere Bedeutung: Sie hatten 1992 im Rahmen eines russisch-georgischen Krieges ihre Eltern verloren. Diese befanden sich in einem Zivilflugzeug, das von Russen abgeschossen wurde. In Cottbus bauten die zwei jungen Frauen nun gemeinsam mit drei Russen an der Mauer des ehemaligen politischen Gefängnisses der DDR.

Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen für die Helfer des Bauordens und das Menschenrechtszentrum, denn sie haben nicht nur beim Ausbau der Gedenkstätte geholfen. Für die jungen Menschen ist der Einsatz in Cottbus einerseits eine Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte, die ihnen zumeist als Ausländern unbekannt ist. Die eigenen Sprachkenntnisse zu üben, die deutsche Kultur, aber auch zahlreiche andere Kulturen näher kennenzulernen, ist andererseits ein nicht zu unterschätzender Gewinn für ihr Leben. Einigen von ihnen, die bereits berufstätig waren, ist hoch anzurechnen, dass sie für ihr Engagement in Cottbus sogar ihren Sommerurlaub geopfert haben.