Das Frauengefängnis Hoheneck ist ein Sinnbild politischer Verfolgung in der DDR: mit drakonischen, menschenrechtswidrigen Strafmaßnahmen, unwürdigen Haftbedingungen und Zwangsarbeit versuchte der DDR-Machtapparat in vielen tausend Fällen, politische Gegnerinnen zu brechen. Eine außergewöhnliche Performance aus zeitgenössischer Musik, Choreografie und Licht, konzipiert vom MusikTheater-Kollektiv Schatz & Schande und dem Ensemble Neue Kammer, sucht die künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Verbrechen.
Besucherinnen und Besucher sind herzlich zur öffentlichen Theaterperformance mit Zeitzeuginnengespräch am Mittwoch, den 30. September 2026, um 18:30 Uhr in die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus eingeladen. Mit dabei Konstanze Helber. Sie war von 1977 bis 1979 wegen "versuchter Republikflucht" im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert.
Begleitend besteht die Möglichkeit zum Besuch der Fotoausstellung "Die Frauen von Hoheneck. Fotografien von Dirk Vogel" im 1. OG des Hauptgebäudes.
Unter dem Titel „Ich bin mir selber fremd geworden“ rücken Gedichte ins Zentrum, die von inhaftierten Frauen während ihrer Zeit in Hoheneck verfasst und 2024 vom Komponisten Philipp Rücker vertont wurden. In vielfältiger Gestalt aus Stimmen und Streichinstrumenten treten die Gedichte in Dialog mit einer Lichtinstallation, die die Farblosigkeit, Enge und Monotonie des vergitterten Alltags plastisch werden lässt.
Im Anschluss an jede Vorstellung gibt es ein moderiertes Zeitzeuginnen-Gespräch mit ehemaligen Insassinnen Hohenecks, das einen wesentlichen, persönlichen Zugang ermöglicht und auch dem Publikum Raum gibt, Fragen zu stellen und das Gespräch zu suchen.
Was entsteht, ist eine gewagte, neuartige Form innerhalb der Erinnerungskultur: Die Künstlerinnen und Künstler machen die beklemmende Gefangenschaft in Hoheneck mit Augen und Ohren greifbar, vermitteln eindringlich eine Ahnung von Ohnmacht und Gewalt - und errichten den inhaftierten Frauen aus ihren eigenen Worten ein machtvolles Denkmal. Mit dieser Produktion soll gezielt Bildungsarbeit betrieben werden, um besonders auch junge Menschen für das Unrecht der DDR-Regimes und den Wert der Demokratie zu sensibilisieren. Daher werden an allen Veranstaltungsorten sowohl öffentliche Abendvorstellungen, als auch Vorstellungen für Schulklassen gegeben.
Wann:
30. September 2026, 18:30 Uhr (öffentliche Veranstaltung)
Öffnung der Abendkasse und der Sonderausstellung: 17:30 Uhr
01. Oktober 2026, 10:30 Uhr (Schulveranstaltung)
Wo:
Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.,
Bautzener Straße 140
03050 Cottbus
Die Performance findet in der ehemaligen Werkhalle des VEB-Pentacon Dresden (ebenerdig) statt.
Ein barrierefreies WC finden Sie im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, welches über eine Rampe erreichbar ist.
Die Ausstellung "Die Frauen von Hoheneck. Fotografien von Dirk Vogel finden Sie in der ersten Etage. Ein Fahrstuhl ist an der Rückseite des Hauptgebäudes vorhanden.
Kartenverkauf und Preise:
Die Karten kosten an der Abendkasse 15€, ermäßigt 9€*. Ticketreservierungen unter anmeldung@menschenrechtszentrum-cottbus.de oder der Telefonnummer +49 (0) 355 290 133 - 0. Die Karten können am Veranstaltungstag ab 17:30 Uhr abgeholt werden.
Gerne können Sie die Karten zzgl. Vorverkaufs- und Ticketgebühren auch bereits im Vorverkauf online erwerben: https://www.tixforgigs.com/de-de/Event/76360/ich-bin-mir-selber-fremd-geworden-menschenrechchts-zentrum-cottbus.
* Ermäßigung für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Sozialhilfeempfängerinnen und -fänger.
TIPP: Schulen können die Veranstaltung zudem am 1. Oktober um 10:30 Uhr kostenlos besuchen (begrenzte Plätze, Reservierung erforderlich).
Nächste Termine:
3. / 4. / 5.10.26 - ZiMMT Leipzig
17./18.6.27 - Stadttheater Gießen, kleines Haus in Kooperation mit Gedenkstätte Notaufnahmelager Gießen
Die Veranstaltungen in Leipzig und Cottbus werden realisiert mit Mittel der:
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kulturstiftung des Freistattes Sachsen
Stadt Leipzig, Kulturamt
Stiftung Orte der Deutschen Demokratiegeschichte
Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) (angefragt)
Bisherige Veranstaltungen:
- Comma, Gera in Kooperation mit Gedenkstätte Amthorhaus (Januar 2026)
- Hoheneck in Kooperation mit Theater Burratino und Gedenkstätte Hoheneck (Januar 2026)
- Ehem. Stasizentrale/ Campus für Demokratie, Berlin (November 2025)
- Lern- und Gedenkort Kaßberggefängnis, Chemnitz (Februar 2025)
- Gedenkstätte Bautzener Straße, Dresden (November 2024)
- ZiMMT, Leipzig (November 2024)
Links:
- Schatz und Schande: https://schatzundschande.de/
- Neue Kammer: https://www.neuekammer.de/
- Trailer bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=COqI1Zqgdto
Zitate:
„Diese knappe Stunde bewegt, weil sie den Kopf mit pointierter Musikverwendung und respektvoller Nüchternheit auf das Wesentliche lenkt. Diese Sparsamkeit würde in anderen Projekten das Absacken von Spannung bedeuten, trägt hier jedoch intensiv zur energetischen Dichte bei.“ - Roland H. Dippel, Neue Musikzeitung
„Das Ensemble schafft in seinem sensiblen und raumgreifenden Umgang aus dem Schweigen der Vergangenheit zu entkommen. Ihre Stimmen hallen laut und intensiv durch die Köpfe des Publikums und befreien zugleich damit die ungehörten Frauenstimmen aus Hoheneck.“ - Doreen Sölter, Lehrerin
„Im Mittelpunkt der Produktion steht ohne Kompromisse der Text: die bewegenden Gedichte der inhaftierten Frauen. Alle Kompositionen und der Einsatz von szenischen Mitteln tragen diesen Rechnung. So gelingt es […] den bisher ungehörten Stimmen und Schicksalen der Frauen von Hoheneck mit ungemeiner Authentizität und Intensität und einen Raum zu geben.“ - Lisa Dressler, Freie Dramaturgin und Projektleiterin
Flyer zur Theaterperformance "Ich bin mir selber fremd geworden. Stimmen aus dem Frauenzuchthaus Hoheneck" als PDF (nicht barrierefrei)
Flyer zur Ausstellung "Frauen aus Hoheneck. Fotografien von Dirk Vogel" als PDF (nicht barrierefrei)
