Der Bahnhof Cottbus war während der NS-Zeit mehr als ein gewöhnlicher Verkehrsknoten. Von hier aus fuhren die Züge, mit denen 1938 jüdische Menschen mit polnischer Staatsbürgerschaft aus Cottbus und der Region nach Polen ausgewiesen wurden. Im Zweiten Weltkrieg transportierten sie Jüdinnen und Juden in die Ghettos im besetzten Polen und nach Theresienstadt. Über die Cottbuser Gleise rollten außerdem die Deportationszüge aus west- und süddeutschen Städten sowie den besetzten Ländern Westeuropas. Die Gefangenentransporte zum und vom Frauenzuchthaus Cottbus erfolgten ebenfalls über den Bahnhof Cottbus. Gleichzeitig transportierte die Reichsbahn Tausende in die Stadt, die in Industriebetrieben, bei der Reichsbahn selbst, in kommunalen Einrichtungen und auf Bauernhöfen Zwangsarbeit verrichten mussten.

Die Ausstellung macht diese Geschichte am Ort des Geschehens sichtbar. Sie verbindet historische Forschung mit einer temporären Präsentation vor dem Bahnhof, einem Begleitprogramm und einer Medieninstallation in der Bahnhofshalle, die in Anlehnung an historische Abfahrtstafeln an das Schicksal Betroffener erinnert, ihre Namen und Deportationsorte nennt. 

Das Projekt will nicht nur an die Opfer erinnern, sondern auch einen Beitrag zur historischen Bildung und zur Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Gefährdungen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten leisten.

Die Ausstellung entstand im Rahmen des Programms „MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Projektträger ist das Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. in Kooperation mit exhibeo e. V., der AG Stolpersteine Cottbus und den Städtischen Sammlungen Cottbus.

Ort: Bahnhof Cottbus
Ausstellungszeitraum: 11. Juni bis 30. August 2026.
Zudem ist ein dauerhaftes Gedenkzeichen am Cottbuser Hauptbahnhof vorgesehen. Besucherinnen und Besucher sind zur Enthüllung am Mittwoch, den 26. August 2026 um 11 Uhr eingeladen.

Foto: Stadtmuseum Cottbus