Das Menschenrechtszentrum Cottbus zählt zu den 13 Institutionen, die im Rahmen der von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ausgeschriebenen Projektförderung „MemoRails“ den Zuschlag erhalten haben. Mit dem Vorhaben „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ wird ein weitgehend in Vergessenheit geratener Teil der Cottbuser Stadtgeschichte sichtbar gemacht.
„Der Hauptbahnhof Cottbus, größter Personenbahnhof Brandenburgs, war während der NS-Zeit Ausgangspunkt für Deportationen unter Beteiligung der Deutschen Reichsbahn“, sagt Heide Schinowsky, Leiterin des Menschenrechtszentrum Cottbus . Betroffen waren unter anderem Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Insassinnen des Frauenzuchthauses Cottbus sowie zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter. Über Cottbus führten auch Deportationszüge in Ghettos und Vernichtungslager wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor.
Das Projekt verbindet am historischen Ort ein dauerhaftes Gedenkzeichen mit einer temporären Ausstellung in der Bahnhofshalle und einem begleitenden Veranstaltungsprogramm. Die Ausstellung beleuchtet neben den individuellen Schicksalen die Rolle der Deutschen Reichsbahn und die Reaktionen der Cottbuser Bevölkerung. Ein zentraler Bestandteil ist eine digitale Medieninstallation in Anlehnung an historische Abfahrtstafeln, die Deportationsrouten, Zielbahnhöfe, Namen und frühere Adressen der Deportierten darstellt.
Vier thematische Erzählstränge sorgen für eine umfassende Kontextualisierung: die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die Deportationen aus dem Frauenzuchthaus, die Funktion von Cottbus als Transitort für Deportationszüge sowie der Einsatz und die Lebensrealität von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern in der Stadt.
Die Projektarbeit erfolgt in enger Kooperation mit lokalen Akteurinnen und Akteuren wie den Städtischen Sammlungen Cottbus, der AG Stolpersteine Cottbus und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Darüber hinaus entwickeln Schülerinnen und Schüler Peer-to-Peer-Führungen.
Mit einem generationsübergreifenden und interaktiven Ansatz möchte das Menschenrechtszentrum Cottbus nicht nur historische Fakten vermitteln, sondern auch die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und gesellschaftlichem Zusammenhalt in der Gegenwart verdeutlichen.
Die Ausstellung wird im Juni 2026 eröffnet. Nähere Infos dazu in Kürze auf unserer Website.
Ort: Cottbus Hauptbahnhof